Kreisseniorenrat Schwäbisch Hall

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Aktueller newsletter

newsletter 1/2019
 
Liebe Leser und Leserinnen,

 
Wir versuchen in diesem Rundbrief regelmäßig auf interessante Themen und Entwicklungen der Seniorenarbeit sowie auf gesellschaftspolitisch interessante Themen, hinzuweisen. Ganz besonders einladen darf ich Sie zu folgenden Veranstaltungen:

2.4. Fachtag Pflege in Ludwigsburg (s. homepage LSR)

4.4.um 14 Uhr Mitgliederversammlung KSR in Wolpertshausen

11.4. um 9 Uhr Falten der Vorsorgebroschüre im Landratsamt
 
Wir freuen uns über Rückmeldungen.
 
Karl-Heinz Pastoors Vorsitzender Kreisseniorenrat
 
Senioren und Seniorinnen für ein gewaltfreies und demokratisches Miteinander und gegen jede Form von Hetze und Diskriminierung  


Als Seniorinnen und Senioren im Landkreis Schwäbisch Hall sehen wir mit Sorge, dass auch in unserem Landkreis die Stimmen lauter geworden sind, die gezielt und bewusst die Menschenwürde von Menschen aus anderen Nationen, anderen religiösen Überzeugungen und aus anderen sexuellen Orientierungen herabwürdigen und angreifen. Deshalb stehen wir in unseren Kreisen und Veranstaltungen im privaten wie im öffentlichen Bereich dafür ein, dass kein Mensch aus anderen Ländern, kein Mensch mit einer uns fremden Ethnie, einer anderen religiösen Überzeugung und kein Mensch mit einer anderen sexuellen Orientierung diskriminiert und angefeindet wird.  Deshalb dulden wir in unserem Verantwortungsbereich keine Erscheinungsformen von Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung, Verherrlichung oder mangelnde Distanz zum Nationalsozialismus in Form von Aussagen, Kleidung, Symbolen, Tattoos, Schmuck oder Musik. Wir bemühen uns auch versteckte oder indirekte Herabwürdigungen oder Verachtung nicht zu übersehen, sondern rassistische, antisemitische, frauenfeindliche und homophobe Äußerungen und Einstellungen zu erkennen und ihnen mit Festigkeit und Gelassenheit entgegenzutreten. 
Wir wenden uns entschieden dagegen, dass in Gesprächen und Diskussionen einseitig und penetrant Feindbilder vertreten werden von „den Ausländern, dem Islam, den Schwulen, den Juden, den Asylanten, den Flüchtlingen, der Presse, die da oben“ usw.  
Auch in unserem Landkreis gilt es sich beständig einzusetzen für ein friedliches Miteinander und für den Zusammenhalt unserer deutschen Gesellschaft, in der alle Menschen willkommen sind, welche die Werte unseres Grundgesetzes teilen und den Rechtsstaat und unsere parlamentarische Demokratie stützen.  Das bedeutet, das Recht auf freie Religionsausübung ohne Unterschied anzuerkennen. Das bedeutet ebenso, dass niemand die eigene kulturelle und religiöse Prägung als Deckmantel missbrauchen darf,  um Glaubens- und Gewissensfreiheit, die körperliche Unversehrtheit und die  Gleichberechtigung von Mann und Frau in Frage zu stellen oder Minderheiten zu diskriminieren. Wer das Gewaltmonopol des Staates missachtet oder Straftaten begeht, muss strafrechtlich verfolgt werden, vollkommen unabhängig von seinen etwaigen Motiven.  

Wir setzen uns dafür ein, dass der Schutz von Flüchtlingen mit ihren schweren Schicksalen und leidvollen Erfahrungen weiterhin ernst genommen wird. Jeder, der in unserem Land Schutz sucht, muss Anspruch auf ein faires und rechtsstaatliches Verfahren haben. Auch denjenigen, die wegen wirtschaftlicher Not und Elend in den Landkreis kommen und als Ergebnis eines rechtsstaatlichen Verfahrens keine Bleibeperspektive haben, ist mit Einfühlung und Respekt zu begegnen.  
Wir rufen dazu auf, die Flüchtlings- und Einwanderungsdebatte im Landkreis sachlich und lösungsorientiert zu führen, keine Ressentiments zu schüren und keine parteitaktischen Interessen dabei zu verfolgen.  Wir rufen deshalb dazu auf , zur Europawahl wie zu den anstehenden Kommunalwahlen zu gehen, um die politischen Kräfte zu stärken, die ein einiges Europa wollen und die in den Städten und Kommunen unseres Landkreises ein friedliches Miteinander und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft voranbringen.  
Verabschiedet in der Vorstandssitzung des Kreisseniorenrates Schwäbisch Hall vom 30.1.2019, verabschiedet vom Gesamtvorstand am 7.3.2019
Verantwortlich: Kreisseniorenrat Schwäbisch Hall, Karl-Heinz Pastoors, Am Postgütle 2/11, 74523 Schwäbisch Hall


Digitalisierung 
Im Dickicht der Selbstverwaltung

Beim Thema Digitalisierung tut sich das deutsche Gesundheitswesen schwer. Im internationalen Vergleich von 17 Ländern liegt die Bundesrepublik weit abgeschlagen
auf dem vorletzten Platz, besagt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Wesentliche Ursache für das schlechte Ranking: Die Politik habe die Verantwortung für die Digitalisierung an Ärzteschaft und Krankenkassen delegiert – und die blockierten sich gegenseitig. Die Studienautoren fordern daher mehr politische Führung und eine unabhängige koordinierende Institution auf nationaler Ebene. Immerhin will die Bundesregierung jetzt in die Offensive gehen: Das Gesundheitsministerium bringt derzeit ein Gesetz zur digitalen Modernisierung des Gesundheitssystems auf den Weg, wie aus der neu geschaffenen Abteilung für Digitalisierung und Innovation zu erfahren war. Und ab 2020 werden in Berlin ausgewählte digitale Anwendungen, beispielsweise Gesundheits-Apps, in der Praxis getestet, bevor sie dann bundesweit zur Anwendung kommen sollen.

 
Estland, Kanada und Dänemark sind Spitze


Spitzenreiter der Bertelsmann-Ländervergleichsstudie sind Estland, Kanada und Dänemark. In Estland gehören beispielsweise E-Rezept, elektronische Patientenakten und ein nationales Gesundheitsportal längst zum Alltag. Dort und in Dänemark können alle Bürger die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, Medikationspläne oder Impfdaten online einsehen. Sie können Zugriffsmöglichkeiten für Ärzte und andere Gesundheitsberufe selbst verwalten. In Kanada gibt es ein zentrales Koordinationsorgan, das Agenden festlegt, die Investitionen für Digital Health verteilt und eng mit den Provinzen zusammenarbeitet. Ferndiagnosen und Fernbehandlungen per Video sind dort Teil der Gesundheitsversorgung. 
Digitaler Flickenteppich Deutschland
Und in Deutschland? Hier wurde zwar schon 2003 die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte beschlossen, die Umsetzung dauerte jedoch länger als ein Jahrzehnt. Es gibt erfolgreiche digitale Pilotprojekte wie die Notfallversorgung von Schlaganfallpatienten oder das Telemonitoring von Menschen mit Herzerkrankungen, allerdings nur regional. Gesundheits-Apps wie die Tinnitus-App Tinnitracks und andere digitale Lösungen wie Selfapy und Novego (Hilfe bei Depressionen, Burnout und anderen psychischen Leiden) oder Mimi (Hörtest und gehörschonender Musikfilter) werden mittlerweile unter bestimmten Bedingungen angeboten und die Kosten erstattet – aber nicht von allen Krankenkassen. 
Selbstverwaltung mit „Silo-Mentalität“


„Die Krankenversicherungen müssen angesichts fehlender gesetzlicher Regulierung eigene Evaluierungswege entwickeln. Diese Trägheit macht Start-ups das Leben schwer: Denn wer nicht in die Kostenerstattungsmodelle der Versicherungen passt, sitzt auf dem Trockenen“, schreibt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) in einer Studie (2017). So ließen sich zum Beispiel Gesundheits-Apps oft nicht klar einer der typischen Leistungsarten wie ambulante oder stationäre Behandlung, Arzneimittel oder Hilfsmittel zuordnen.  Auch die Ärzteschaft bekommt ihr Fett weg: Von „Silo-Mentalität“ spricht der BVDW, und der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen kommt in einer Studie (2016) zu dem Schluss, dass Digitalisierung allein nicht die Qualität der Beratung oder von Sprechstunden per Video verbessere. „Qualität erfordert bessere Kompetenz von
Ärzten: Studien zeigen, dass 70 bis 80 Prozent der Ärzte Gesundheitsstatistiken nicht verstehen.“

 
Gesundheitsplayer haben kaum Erfahrung im B2C-Geschäft


Erschwerend kommt hinzu, dass keiner der etablierten Akteure des hiesigen Gesundheitssystems nennenswerte B2C-Erfahrung (Beziehungen zwischen Unternehmen und Konsumenten) besitze, so der BVDW. Investoren haben dagegen das Potenzial des Gesundheitsmarktes erkannt: So investierten Wagniskapitalgeber im vergangenen Jahr weltweit 10,3 Milliarden Euro in Unternehmen aus dem Bereich des digitalen Gesundheitswesens – vor allem in den USA (7,3 Mrd.) und China (2,3 Mrd.). Europa ist mit 0,7 Mrd. Euro Schlusslicht. Und für 2019 werde eine weitere große Investitionswelle erwartet, schreibt die Managementberatungsfirma Porsche Consulting in einer aktuellen Studie. 
Mehr Selbstständigkeit dank Digitalisierung .Das meiste Geld geht in das „Empowerment von Patienten“ – Plattformen und Vermittlungsportale, die den Markt für Kunden transparenter machen oder ihnen mehr Eigenständigkeit ermöglichen wie beispielsweise Doctolib (Terminbuchung). Im Fokus ist auch die personalisierte Gesundheit: Hier geht es zum Beispiel darum, mit Hilfe von DNS-Tests Prävention, Diagnose und Therapie zu individualisieren, zudem um Ferndiagnosen und -behandlungen mittels Telemedizin. 


Von anderen lernen …


Der Blick über die Grenzen zeigt, wie Digitalisierung im Gesundheitswesen klappen kann: In Dänemark können sich Patienten über das Gesundheitsportal sundhed.dk über Krankheiten und deren Behandlung informieren und haben Zugriff auf ihre elektronische Patientenakte (ePA). Auch in Israel gehören ePAs und E-Rezepte zum Alltag. Frankreich hat kürzlich mit der landesweiten Einführung von ePAs begonnen. Die Niederlande haben mit AORTA eine nationale IT-Infrastruktur für den Austausch von Gesundheitsdaten. Und die Schweiz schaffte es trotz dezentraler kantonaler Struktur des Gesundheitswesens, Einigkeit bei der nationalen E-Health-Strategie zu schaffen.

 
… und dann einen klaren politischen Rahmen vorgeben


Die Experten sind sich einig: Digitalisierung kann nur gelingen, wenn es eine klare politische Strategie und eine spezielle Institution auf nationaler Ebene („Nationales Kompetenzzentrum“) gibt. Letztere sollte politisch verankert und unabhängig von Akteursinteressen sein. Ganz konkret wird der BVMW: Er fordert digitale Informations- und Bildungsinitiativen für Ärzte und Ärztekammern zu konkreten Nutzungsszenarien und zu den Potenzialen und Risiken digitaler Technologien und Dienstleistungen, um bei der Ärzteschaft Expertise aufzubauen. Für digitale Pilotprojekte müssten Rahmenbedingen gesetzt werden, die eine Überführung in die Erstattungsfähigkeit regeln. 
#SmartHealthSystems: Digitalisierungsstrategien im internationalen Vergleich  Teil I: Internationales Benchmarking und digital-Health-Index Teil II: Erfolgskriterien und Nutzungsgrade digitaler Anwendungen – Vergleichende
Länderstudie  Teil III: Analyse und Übertragbarkeit  Rainer Thiel / Lucas Deimel / Daniel Schmidtmann, Bertelsmann-Stiftung, Gütersloh November 2018, 401 Seiten, Download, Die fünf Spitzenreiter im Überblick 
Managementberatung Porsche Consulting, „Patient im Fokus“, Dez. 2018 
Bundesverband Digitale Entwicklung e.V., Digitale Gesundheit. Die fünf großen Blockaden auf dem Weg zur digitalen Gesundheit – und wie wir sie überwinden können, Juni 2017, Download  
Sachverständigenrat für Verbraucherfragen, Digitale Welt und Gesundheit, Januar 2016, Download 
 
Integration 
Kreative Ideen, damit das Ankommen gelingt 

Kaum jemand zweifelt daran, dass die Eingliederung von mehr als einer Millionen Menschen seit 2015 in Alltag, Bildungssystem und Arbeitsmarkt einem Langstreckenlauf gleicht, der noch Jahre andauern wird. Hinzu kommen Integrationsdefizite von Einwanderern aus weiter zurückliegenden Jahren. Eine Riesenaufgabe, die überhaupt nur durch breites bürgerschaftliches Engagement zu bewältigen ist. Freiwilligenangebote – vom Flüchtlingscafé bis zum Nachhilfezirkel – leisten dazu einen unverzichtbaren Beitrag. Ebenso gefragt sind neue Ideen, um der komplexen Herausforderung gerecht zu werden. Hier setzt der Deutsche Integrationspreis der Hertie-Stiftung an. Dieser noch junge Preis, erstmals 2017 vergeben, zeichnete jüngst beispielgebende Initiativen mit insgesamt 250.000 Euro aus. Die ersten beiden Plätze gingen an innovative Gesundheitsprojekte. 


Mit Crowdfunding ins Finale
Bereits in der Bewerbungsphase kam den Teilnehmern die Kombination von Stiftungspreisgeld und Crowdfunding zugute. Zunächst traten 32 Initiativen auf der Crowdfunding-Plattform Startnext an. 27 Ideen erreichten oder übertrafen sogar ihr Fundingziel. Mehr als 10.000 Spender brachten dabei 380.000 Euro auf. Weitere 140.000 Euro vergab die Hertie-Stiftung an die Projekte mit den meisten Unterstützern. Eine Jury mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Medien nahm dann die Bewertung für den Integrationspreis vor. „Wichtige Kriterien waren Wirkungspotenziale, Skalierbarkeit, Bedarfsorientierung und vor allem die aktive Mitwirkung von Geflüchteten“, erläuterte Carmen Jacobi von der Stiftung. Sechs Finalisten konnten ihr Projekt am Tag der Preisverleihung vor der Jury präsentieren; aus diesem Kreis wurden live drei Preisträger bestimmt. 


1. Platz: Frauen für Frauen – Space2groW (50.000 Euro)
Wohnung, Sprache, Arbeit: Wer seine Heimat verloren hat, der steht in der neuen Heimat vor grundlegenden Herausforderungen. Spezielle Frauen-Anliegen wie Gesundheit, sexuelle Aufklärung, Verhütung und Selbstbestimmung gehen da schnell unter. Anab Mohamud (25) weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig diese Themen sind – für jede einzelne Frau, ihre Familie und das Ankommen hierzulande. Die Gründerin von Space2groW kam 2015 selbst als Geflüchtete aus Somalia nach Deutschland: In ihrem Projekt gehen eigens geschulte Frauen mit Fluchthintergrund auf ebenfalls Betroffene in ihren Communities zu, bieten Beratung und Workshops zu Familienplanung und Gesundheit an. „Selbstbestimmt Entscheidungen zu fällen über den eigenen Körper und in der eigenen Familie ist eine Grundvoraussetzung für alle weiteren Schritte in die Gesellschaft hinein“, heißt es in der Laudatio. Das Projekt, das bereits erfolgreich in Berlin umgesetzt wird, soll jetzt deutschlandweit ausgebaut werden. 


2. Platz: Medizin ohne Sprachbarriere – Triaphon (30.000 Euro)                                                                                                                                                                                                                                                                               Alptraum in der Notaufnahme: Ärzte und Patienten können sich nicht verständigen, lebenswichtige Zeit verrinnt. Und das nur, weil sie unterschiedliche Sprachen sprechen. Das wollten zwei junge Ärzte, die Kinderärztin Lisanne Knop und der Allgemeinarzt Korbinian Fischer, nicht länger hinnehmen. „Unser telefonischer Dolmetscherdienst etabliert ein bundesweites Netzwerk von freiwilligen Sprachmittlern, das rund um die Uhr erreichbar ist“, erklärt Lisanne Knop die Idee. Diese Laiendolmetscher beherrschen neben Deutsch eine Sprache, die viele Migranten und Flüchtlinge sprechen, etwa Arabisch, Farsi, Dari, Rumänisch, Russisch, Türkisch. Weitere Sprachen sollen hinzukommen. Die Helfer hinterlegen ihre Bereitschaftszeiten bei den Plattformbetreibern, bei einem Anruf aus der Klinik werden sie gemäß dem jeweiligen Sprachwunsch mit einem Patienten verbunden. Sprachbarrieren bei der Anmeldung, Anamnese oder während der Behandlung können so in Echtzeit überwunden werden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin unterstützte Triaphon mit einer Anschubfinanzierung, heute trägt sich der Service durch Spenden und eine kostengünstige Abrechnung pro Anruf. Die Helfer bekommen eine Aufwandsentschädigung. Die Pioniere Knop und Fischer hoffen auf eine großflächige Übernahme des Dienstes durch Kliniken und die Ausweitung auf Arztpraxen und Rettungsdienste.

 
3. Platz: Hilfe für Familien – Flüchtlingspaten Syrien (20.000 Euro)
Ziel dieser Initiative ist, engen Angehörigen von bereits hier lebenden Geflüchteten aus Syrien den Familiennachzug zu ermöglichen. Die Aufnahmeprogramme einiger Bundesländer lassen das zwar grundsätzlich zu, sehen aber die hohe Hürde der finanziellen Absicherung durch eine Bürgschaft vor. Bei „Flüchtlingspaten Syrien“ kann man mit zehn Euro pro Monat Pate werden und zur Übernahme von Bürgschaften beitragen. Damit werden nachgekommene Angehörige unterstützt, z. B. durch Finanzierung des Fluges nach Deutschland, der Wohnung und des Lebensunterhalts. Mehr als 50 Ehrenamtliche organisieren Sprachkurse und Familienlotsen und leisten Beratung bei Jobsuche und Aufnahme eines Studiums. „Jeder Einzelne kann auf diese Weise dazu beitragen, schnell und konkret Menschenleben zu retten (...). Selbst mit einem kleinen Beitrag macht Ihr Menschen glücklich und führt Familien zusammen“, wirbt der Verein in seinem CrowdfundingAufruf. Jeder Geflüchtete, der eine Ausbildung oder Arbeit aufnimmt, macht seinen Platz frei, so dass weitere Kinder, Ehepartner oder Großeltern gerettet werden können. Das Projekt verhalf bisher mehr als 250 Menschen, aus dem Bürgerkriegsland Syrien nach Deutschland zu kommen, bundesweit 200 Bürgen greifen auf Beiträge von 4.500 Paten zurück.  

 
Ausschreibung für 2019 läuft
An der Spitze ist die Luft dünn – auch die weiteren drei Finalisten freuen sich über Unterstützung von zusammen 10.000 Euro. Die Projekte „Camp One Tandem Workshops“ (Coaching), „Hacker School PLUS“ (IT-Kompetenz) und „Teachers on the Road“ (Deutschkurse/Alltagsorientierung) stehen für kreative Freiwilligenarbeit gemeinsam mit und für Geflüchtete. Aktuell ruft die Hertie-Stiftung zur Bewerbung für den diesjährigen Deutschen Integrationspreis auf. „Geplant ist eine Ausweitung der Zielgruppe“, berichtet Carmen Jacobi. „Der thematische Fokus liegt weiterhin auf Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund. Der Preis soll zudem auch innovative Integrationsprojekte für andere benachteiligte Gruppen einbeziehen.“ Ziel sei ein respektvolles Miteinander und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft. Bewerbungen sind noch bis 23. Januar 2019 möglich. Teilnehmen können gemeinnützige Organisationen, private Initiativen, Vereine und Sozialunternehmen online oder per Video. 
Informationen zur Bewerbung:?? www.deutscherintegrationspreis.de/bewerbung ?www.facebook.com/deutscherintegrationspreis  www.startnext.com/pages/deutscher-integrationspreis  
Die Preisträger 2018: www.space2grow.de www.triaphon.org  www.fluechtlingspaten-syrien.de 
Weitere Informationen Gemeinnützige Hertie-Stiftung: www.ghst.de/deutscher-integrationspreis/


Gesellschaft
Im Alter ohne Kinder: Weder einsam noch verbittert

„Als ich jung war, wurde mir oft gesagt, dass ich es mal bereuen würde, keine Kinder zu haben und einsam sein würde. Aber: Keine Kinder zu haben, ist auch im höheren Lebensalter nicht gleich zu setzen mit Einsamkeit und Verbitterung“, schreibt die Userin mit dem selbstironischen Alias „Alte Schachtel“ in einem Internet-Forum. Diese Sicht der Dinge lässt sich jetzt auch wissenschaftlich belegen. Eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) hat festgestellt, dass die Netzwerke kinderloser älterer Menschen nicht kleiner sind als bei Müttern und Vätern gleichen Alters – sie sind nur anders in ihrer Struktur. Weder sind kinderlose Menschen im Alter sozial isoliert, noch leiden sie an mangelnder Unterstützung. 
Deutschland zählt zu Ländern mit der höchsten Kinderlosigkeit
Dass das DZA eine Studie zum Thema „Kinderlosigkeit im Alter“ vorlegt, ist folgerichtig – zum einen zählt Deutschland neben der Schweiz, Italien und Finnland zu den Ländern mit der höchsten Kinderlosigkeit in Europa. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Wunsch nach Unabhängigkeit, Karrierestreben, Sorge vor zu hohen Kosten wegen der Kinder oder weil ein geeigneter Partner fehlt. Eine wichtige Rolle
spielt auch das Bildungsniveau: Kinderlos bleiben vor allem höher gebildete Frauen und niedrig gebildete Männer. 
Westdeutschland: Jede fünfte Person kinderlos in Rente 
Zum anderen hat sich die Kinderlosenquote (Anteil der Kinderlosen an allen Frauen eines Jahrgangs) hierzulande zwischen den Jahrgängen 1937 und 1967 von 11 auf 21 Prozent fast verdoppelt. Diese kinderlos Gebliebenen sind derzeit etwa 50 Jahre alt und damit noch relativ jung. Doch in etwa 15 Jahren wird fast jede fünfte westdeutsche und jede zehnte ostdeutsche Person kinderlos in Rente gehen. Was bedeutet das für ihre soziale Integration und das persönliche Wohlbefinden? Sind kinderlose Menschen im Alter einsamer und isolierter? Und was bedeutet das für unsere Gesellschaft? 


Lebenszufriedenheit relativ hoch
Die Auswertungen von Daten des Deutschen Alterssurveys (DEAS) aus dem Jahr 2014 geben einen Einblick in deren Lebenssituation. Sie beziehen sich auf 50- bis 75-jährige, in privaten Haushalten lebende Personen. Ergebnis: Nur etwa acht Prozent der älteren Frauen und zehn Prozent der Männer fühlen sich wirklich einsam, Kinderlose etwas häufiger als Mütter und Väter. Befragt nach ihrer Lebenszufriedenheit gaben alle Gruppen auf einer Skala von 1 (niedrig) bis 5 (hoch) durchschnittlich Werte zwischen 3,5 und 3,8 an – mit nur geringen Unterschieden zwischen Kinderlosen und Eltern.


Kinderlose haben gut funktionierendes außerfamiliales Netzwerk
Auf die Zahl der engeren Beziehungen hat es keinen Einfluss, ob jemand Kinder hat oder nicht – im Schnitt hat jeder Mensch zu etwa vier Personen nahen Kontakt. Unterschiede werden nur in der Struktur sichtbar: Kinderlose ältere Frauen (87 %) und Männer (76 %) berichten öfter als Eltern (69 % der Mütter und 58 % der Väter) über enge oder sehr enge Beziehungen zu ferneren Verwandten, Freunden, Bekannten und sonstigen Personen. „Das heißt, nicht die Größe, sondern die Struktur der persönlichen sozialen Netzwerke ist davon geprägt, ob sich ein Leben mit oder ohne Kinder ergibt“, so die Studie. 
Verwandtschaft spielt vor allem bei kinderlosen Männern eine Rolle
Sind keine Kinder oder Partner da, wird mehr Kontakt mit ferneren Verwandten und Freunden gepflegt. Wenn beispielsweise Trost oder Aufmunterung gebraucht werden, würden 62 Prozent der kinderlosen Frauen dies bei Freunden oder Bekannten suchen. Bei den Müttern sind es nur 45 Prozent – sie wenden sich an ihren Partner (62 %) oder ihre Kinder/Enkel (42 %). 
Die Verwandtschaft spielt vor allem bei kinderlosen Männern eine wichtige Rolle: So werden 43 Prozent von ihnen bei gesundheitlichen Problemen von ferneren Verwandten unterstützt. Bei kinderlosen Frauen sind es 20 Prozent, bei Vätern helfen Verwandte nur in fünf Prozent der Fälle. 
 
Kein Mangel an Unterstützung
Grundsätzlich gilt: Kinderlose agieren in anderen persönlichen Netzwerken als Personen mit Kindern. Sie ersetzen im Alter fehlende familiale Netzwerke und intergenerationale Beziehungen nicht durch andere Kontakte – sondern gestalten ihre Netzwerke im Lebensverlauf anders. So greifen sie im Alter für praktische Hilfen oder emotionalen Beistand häufiger auf den weiteren Verwandtenkreis, Freunde, Bekannte und nicht näher benannte sonstige Personen zurück. Anders als oft vermutet, „ist ein Mangel an Unterstützung für diese Personen größtenteils nicht sichtbar“, heißt es in der DZA-Studie. 
Dass Freunde sogar wichtiger sein können als familiäre Beziehungen, hat eine Untersuchung der amerikanischen Michigan State University ergeben. In zwei Studien, an denen mehr als 280.000 Menschen teilnahmen, fanden die Wissenschaftler heraus, dass Freundschaften für Gesundheit und Freude im Laufe des Lebens von großer Bedeutung sind – und dass ihre Bedeutung im Alter zunimmt. 
Elke Hoffmann / Laura Romeu Gordo, Im Alter ohne Kinder, DZA Berlin, Datenreport 2018, Download
Die Publikation ist Teil des Datenreport 2018 - Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland, Statistisches Bundesamt (Destatis) / Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Schwerpunkt: Familien und Kinder, Bonn 2018, 466 Seiten (hier: Seite 93-102)   


Nachhaltigkeit
Wohnbegleitende Dienstleistungen: Teilen und Umwelt schützen

„Die Wohnungsnot ist zu der sozialen Frage schlechthin in Deutschland geworden“, bilanzierte die Süddeutsche Zeitung kürzlich ein Rechercheprojekt zum Thema. Kein Zufall, dass gemeinschaftliche Wohnformen zunehmend Aufmerksamkeit erfahren. Oft als Genossenschaften oder Baugemeinschaften organisiert, sind sie vom Anspruch selbstbestimmten, nachbarschaftlichen und ökologischen Wohnens geleitet. Die konsequente Erweiterung solcher Projekte besteht in wohnbegleitenden Dienstleistungen – der gemeinsamen Nutzung von Autos, Lastenfahrrädern, Gärten und Werkstätten. Was diese Angebote erfolgreich macht, wie sie selbstorganisierte Wohnformen stärken, untersucht das Forschungsprojekt „WohnMobil“. 
Reallabore zeigen, was im Alltag geht
Das dreijährige Verbundprojekt unter Leitung des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) bringt eine breite Expertise mehrerer wissenschaftlicher Institute, Projektpartner der Bauwirtschaft und Bewohnerinitiativen zusammen und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Der Abschlussbericht stellt sogenannte Reallabore, praxiserprobte Beispiele für die Planung und Umsetzung wohnbegleitender Dienstleistungen, vor. 
 
Wohnbegleitende Dienstleistungen: Was ist das?
Der Begriff stammt aus der Wohnungswirtschaft der 1990er-Jahre und erfährt in der aktuellen Diskussion um Geschäftsmodelle des Teilens und gemeinschaftlicher Selbsthilfe (Repair-Cafés, FoodCoops) neue Aktualität. Er meint, dass Bewohner benötigte Dienstleistungen rund um ihre Wohnung, das Gebäude oder das Wohnumfeld gemeinsam planen, erstellen und nutzen. Manchmal werden auch externe Anbieter herangezogen (Carsharing). Die Nutzung kann gegen ein Entgelt (Geräte-Ausleihe) oder im Tauschgeschäft erfolgen (Einkaufshilfe gegen Kinderbetreuung im generationenübergreifenden Wohnen). 
Drei Projekte: Wie aus Ideen gelebte Praxis wird
Wie sieht die Planung und Umsetzung gemeinschaftlicher Mobilitäts- und Wohndienstleistungen aus, welche Probleme und Lösungen stellen sich ein? Die folgende Zusammenfassung konzentriert sich auf wichtige Resultate zur Machbarkeit von partizipativen Wohn- und Dienstleistungsmodellen an drei Standorten. 
Nachbarschaftliche Mobilitätsdienstleistungen: Teilen von Autos, (Lasten-) Rädern und Tickets für den ÖPNV
Angesichts hoher Individualkosten und Umweltbelastung spricht vieles für gemeinschaftliche Mobilitätsdienstleistungen. Zwei unterschiedliche Konzepte zeigen, wie sehr die erfolgreiche Realisierung von den individuellen Anforderungen der Nutzer abhängt. 
• Das erste Projekt betrifft die Wohninitiative „Hochdamm“. Sie befindet sich am stillgelegten Bahndamm zum Görlitzer Bahnhof in Berlin Alt-Treptow und bietet vor allem Familien mit Kindern, gut 200 Personen, Raum. Der zuerst abgefragte Bedarf am Carsharing aus dem eigenen knappen Pkw-Bestand fand nur geringe Resonanz. „Das Sharing- und ÖPNV-Angebot im Umfeld sowie die zentrale Lage in der Stadt bewirken die vergleichsweise geringe Teilnehmerzahl und Nachfrage“, ergab die Untersuchung. Im Rahmen nachbarschaftlicher Kontakte kam es zum meist kostenlosen Teilen sporadisch verfügbarer Autos als Ergänzung persönlicher Mobilität. • Anders sieht es bei der genossenschaftlichen Wohninitiative „Uferwerk eG“ in Werder vor den Toren von Berlin aus. Auch hier leben viele Familien – rund 150 Menschen – im Mehrgenerationen-Wohnen auf einem ehemaligen Fabrikgelände. Mobilität wird durch ein formalisiertes System unterschiedlicher Verkehrsmittel geregelt. Basis ist die gute Balance zwischen dem geringeren Eigenbedarf der Autoverleiher und der Nachfrage der Ausleiher. Das interne Carsharing wird über eine online-basierte Planungs- und Buchungsplattform mit integrierter Betriebskostenkalkulation abgewickelt. Nachbarschaftliche Absprachen zur Nutzung von ÖPNV-Abo-Tickets und Lastenrädern ergänzen das Mobilitätsangebot. Der allgemein zugängliche Schlüsseltresor erspart zeitlich bindende Übergaben. Eine einmalige Einlage der Teilnehmer und das Abführen von zehn Prozent der Nutzungsgebühren auf ein Gemeinschaftskonto dienen als Rücklage für Investitionen. Vorläufige Bilanz des „Uferwerks“: Von den 71 nachzuweisenden Autoparkplätzen für die Siedlung werden nur 31 Stellplätze benötigt. Damit würde mehr Außenfläche zur gemeinschaftlichen Nutzung verfügbar.
 
Vielseitiger Gemeinschaftsraum und Garten für das Alter
WohnMobil-Praxispartner ist bei diesem Beispiel das Wohnungsunternehmen Bauhilfe Pirmasens GmbH, das im partizipativen Wohnpojekt „PS:patio!“ 34 Einheiten betreibt. Auffallend ist der hohe Anteil von Älteren und Frauen zwischen 50 und 80 Jahren, die keine Kinder in ihren Haushalten haben. 
• Der multifunktionale Gemeinschaftsraum für Fitness, Treffs und Hobbys verkürzt Wege und trägt je nach Nutzung zu Gesundheit, Zufriedenheit und Zusammenhalt der Bewohner bei. Eine besondere Herausforderung in der Konzeptphase war die gemeinschaftliche Planung von Ausstattung und Finanzierung; der laufende Betrieb verlangt Einigkeit über die Instandhaltung und Reinigung. • Der Garten für das Alter wird erst in den nächsten Monaten angelegt. Greifbaren Resultaten ging eine intensive Bewohnerbeteiligung mit professionell moderierten Planungsworkshops voraus. Dabei kristallisierten sich unterschiedliche Vorstellungen zur Nutzung als Gemeinschaftsgarten und wohnungsnahe Autostellplätze heraus. Die erzielte Lösung sieht eine verkleinerte Gartenfläche vor. • Leitgedanke für das Wohnprojekt „PS:patio!“ ist das „generationenübergreifende Wohnen in aktiver Nachbarschaft“. Dahinter steht ein von der Diakonie etabliertes Betreuungs- und Pflegekonzept, das sich am Bielefelder Modell orientiert und den Bewohnern ein langes Leben in den eigenen vier Wänden erlauben soll. 


Über Grundstücksgrenzen hinausdenken 
„Innovative wohnbegleitende Dienstleistungen fördern das nachhaltige Wohnen“, würdigt der Abschlussbericht die vorgestellten Praxisbeispiele. Ausführliche Werkstattberichte beschreiben unterschiedlich weitreichende Nachhaltigkeitseffekte in ökologischer, sozialer rund ökonomischer Dimension. Planung und Realisierung benötigten jedoch professionelle Begleitung und den langen Atem aller Beteiligten. Wichtig für das Gelingen innovativer Wohninitiativen ist das Denken über die eigenen Grundstücksgrenzen hinaus. Dazu gehört der Austausch mit der etablierten Wohnungswirtschaft, die vor allem im genossenschaftlichen Bereich schon manche gemeinwohlorientierten, auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit abzielenden Ideen vorgedacht hat. Zum anderen können Kooperationspartner und Nutzer nicht nur die eigenen Bewohner sein, sondern auch Personen aus dem Quartier bzw. Stadtteil. „Neben mehr Nachahmern aus der Wohnungswirtschaft wie auch der Zivilgesellschaft bedarf es in Zukunft (...) auch einer politischen Kultur, die diese oder ähnliche wohnbegleitenden Dienstleistungen durch mehr Flexibilität im (Kommunal-) Recht, der (Anschub-) Finanzierung und auch der Vernetzung und Beratung umfassender fördert.“ 
*Das wahre Problem der Nation heißt Wohnungsnot: www.sueddeutsche.de/wirtschaft/soziale-frage-das-wahre-problem-der-nation-heisstwohnungsnot-1.4061291 (zuletzt abgerufen am 17.12.2018) 
Abschlussbroschüre: Jutta Deffner / Peter Kasten / Frieder Rubik u. a., Wohnbegleitende Dienstleistungen.
Nachhaltiges Wohnen durch innovative gemeinschaftliche Angebote fördern, Frankfurt, Oktober 2018, 23 Seiten, Download. 
Ausführlicher Werkstattbericht:  WohnMobil: Nachhaltigkeitswirkungen wohnbegleitender Dienstleistungen in gemeinschaftlichen Wohnformen, 80 Seiten, Download. 
Mehr zum Projekt sowie anwendernahe Factsheets etwa zu „Carsharing für Wohninitiativen und Wohnungsunternehmen“, „Lastenrad“, „Gemeinschaftswerkstatt“ und „Repair-Café“ unter www.wohnmobil-projekt.de  


Arbeitswelt 
Not macht erfinderisch – Wie Krankenhäuser Fachkräfte umwerben


Unternehmen werden bei gesuchten Mitarbeitern vorstellig, landen auf einem Riesenstapel an Bewerbungsunterlagen und warten sehnlichst auf die Zusage: Ein solches Szenario findet man (noch) in keinem Bewerbungsratgeber, dennoch ist es nicht aus der Luft gegriffen. Das zeigen manche Krankenhäuser, die mit sog. Kopfgeldprämien im hohen vierstelligen Bereich auf Personalsuche gehen.* Der Kampf gegen den Fachkräftemangel macht erfinderisch. Eine aktuelle Studie des Deutschen Krankenhaus Instituts (DKI) und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO befragte bundesweit 319 Allgemeinkrankenhäuser ab 100 Betten zu Maßnahmen, die ihre Arbeitgeber-Attraktivität vor allem für Pflegeberufe steigern sollen. 

Gesundheitsmanagement ernst nehmen
Förderung der Gesundheit und Verhaltensprävention haben in der Diskussion um den Fachkräftemangel eine signifikante Bedeutung. Bei 52 Prozent der befragten Krankenhäuser ist betriebliche Gesundheitsförderung im Leitbild verankert und daher von strategischer Relevanz. 31 Prozent haben Ziele der Gesundheitsförderung messbar formuliert, 57 Prozent verfügen über eine entsprechende Jahresplanung, ebenfalls 57 Prozent über eine Steuerungsgruppe zur Organisation der Gesundheitsförderung. An diesen Merkmalen wird deutlich, dass sich die Kliniken ein echtes Gesundheitsmanagement leisten und nicht nur wohlmeinende Absichten kundtun. 

Hoch im Kurs: Rückenschule und gesunde Ernährung
Ein Großteil des Gesundheitsmanagements setzt auf Verhaltensprävention, d. h. eine gesundheitsfördernde Arbeits- und Lebensweise. Dazu zählen sportliche Übungen zum richtigen Umgang mit körperlichen Belastungen. 58 Prozent aller Häuser bieten Kurse zu verschiedenen Sportarten an; daneben ist die Rückenschule mit Beratungen zu schonenden Hebe- und Tragetechniken die häufigste Einzelsportart (57 %; 2017). In 64 Prozent der Kliniken zielt die Verhaltensprävention auf eine gesunde Ernährung. Deutlich seltener sind Maßnahmen zum Umgang mit psychosozialen Arbeitsbelastungen wie etwa Entspannungstraining (37 %) Stressregulierung und Konfliktmanagement (jeweils 33 %). Jeweils 27 Prozent der Kliniken werden vorbeugend gegen Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch aktiv. 
 
Reibungsverluste reduzieren
Zur Verhaltensprävention zählt auch die mitarbeiterorientierte Verbesserung von Arbeitsprozessen. Schwerpunkte bilden Kooperation und Kommunikation in und zwischen Berufsgruppen (jeweils 90 %) sowie zwischen einzelnen Abteilungen (87 %). Oft werden auch Aspekte veränderten Führungsverhaltens (90 %) oder der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (82 %) aufgegriffen. Knapp zwei Drittel (65 %) der Krankenhäuser führen regelmäßig Arbeitsplatz- und Gefährdungsanalysen für psychische Belastungen (64 %) durch, 75 Prozent setzen notwendige Verbesserungen in Gang. 

Krankenstand ist meistverwendete Kennzahl
Die mit Abstand am häufigsten verwendete Kennzahl für Umfang und Schwerpunkte des Gesundheitsmanagements ist der Krankenstand – 92 Prozent der Häuser nutzen laut DKI-Befragung diese Messgröße. Jeweils knapp zwei Drittel der Einrichtungen werten den Anteil älterer Beschäftigter (65 %) und die Fluktuationsquote (62 %) aus. Von hohem Stellenwert für die Arbeitgeberattraktivität speziell in der Pflege ist die Übernahmequote von Schülerinnen mit Ausbildung (67 %). 
Mitarbeiterakquise auf vielen Kanälen 
Tue Gutes und sprich darüber! Nach dieser Devise obliegt dem Personalmarketing die Aufgabe, das Krankenhaus als attraktiven Arbeitgeber bekannt zu machen. Klassiker im Bemühen, Schulabgänger und Berufseinsteiger zu gewinnen, sind Hospitation und Probearbeit (92 %), gefolgt von der Präsenz an Schulen (75 %) und auf Rekrutierungsmessen (67 %). Erst die Hälfte der Krankenhäuser (54 %) tummelt sich in Chatrooms und Online-Jobbörsen, während Stellenanzeigen in der regionalen Presse immer noch wichtigstes Instrument medialer Mitarbeiterakquise sind (82 %). 

Wohin nur mit den Kindern? 
Eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung gilt unstreitig als Wettbewerbsvorteil für alle Unternehmen. Mitarbeiter können Beruf und Privatleben besser ausbalancieren, Unternehmen profitieren von der schnelleren Rückkehr aus der Elternzeit und von verringerten Fehlzeiten. Jeweils fast ein Viertel der befragten Kliniken trumpft mit einer Kinderkrippe (24 %) und betriebseigenem Kindergarten, rund ein Fünftel bietet Belegplätze in der nahen Umgebung an. 
Weitere wichtige Unterstützungsleistungen für die Kinderbetreuung betreffen Sonderurlaub aus familiären Gründen (54 %), eine Verlängerung der Elternzeit, flexible Arbeitszeiten für familiäre Notfallbetreuung und Kinderferienprogramme (27 %). Gefragt sind auch Angebote der Qualifizierung während und nach der Elternzeit sowie Kontakthalteprogramme (65 %). 

Weiche Faktoren, harten Fakten 
Krankenhäuser lassen sich einiges einfallen, um ihre Attraktivität als Arbeitgeber hervorzuheben. Das belegt die DKI-Studie, die auch entsprechende Maßnahmen zur Personalentwicklung (Feedback-Prozesse, Weiterbildung, Mentoring, Führungskräftetraining, Vorgesetztenbeurteilung) erfasst. Klar ist: Der Wettstreit um
geeignete Fachkräfte wird sich weiter verschärfen. Weiche Faktoren wie eben Gesundheitsmanagement, Mitarbeiterakquise, Familienorientierung und Personalentwicklung spielen nach Auffassung der Autoren dabei eine erhebliche Rolle. Kliniken, die diese Faktoren bislang noch nicht oder nicht nachdrücklich berücksichtigen – immerhin jede zweite –, tun gut dran, sich eines Besseren zu besinnen, die anderen, das zeigt vorliegende Studie, können ihre Maßnahmen noch verbessern. 
* Zum Beispiel: Städtisches Klinikum zahlt 8000 Euro für neue Pflegekräfte (München), Süddeutsche Zeitung vom 23.01.2018 (zuletzt abgerufen: 18.01.2019) www.sueddeutsche.de/muenchen/fachkraeftemangel-staedtisches-klinikum-zahlteuro-fuer-neue-pflegekraefte-1.3836221 
Das Krankenhaus als attraktiver Arbeitgeber, Deutsches Krankenhausinstitut (DKI) und Branchencenter Gesundheitswirtschaft der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (BDO), 2018, 28 Seiten, Download
Gesellschaft

Die Zivilgesellschaft wird immer wichtiger für den Arbeitsmarkt

Non-Profit boomt: Der Dritte Sektor – Vereine, Stiftungen, gemeinnützige GmbHs und Genossenschaften – ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. „Die organisierte Zivilgesellschaft stellt einen relevanten Faktor im deutschen Arbeitsmarkt dar, der in seiner quantitativen Bedeutung häufig unterschätzt wird“, heißt es im jetzt veröffentlichten „Datenreport Zivilgesellschaft“. Das fast 200 Seiten starke Kompendium bietet erstmals einen Überblick aus verschiedenen Datenerhebungen über Stand und Entwicklung von Zivilgesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement in Deutschland – und birgt jede Menge interessantes Zahlenmaterial. 

Zahl der Stiftungen verdreifacht
2016 gab es mehr als 600.000 eingetragene Vereine in Deutschland, und mit aktuell 30.000 Stiftungen hat sich der Stiftungsbestand seit dem Jahr 2000 fast verdreifacht. Auch die Zahl der als gemeinnützig eingestuften GmbHs ist zwischen 2007 bis 2016 von rund 16.000 auf 25.000 Einrichtungen deutlich gestiegen. 

44 Prozent der Deutschen engagieren sich 
Ehrenamt steht hoch im Kurs. Laut Freiwilligensurvey (2014) sind rund 44 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren freiwillig engagiert (1999: 34 %). Die meisten Menschen (ca. 16 %) engagieren sich im Bereich Sport und Bewegung. Rund neun Prozent arbeiten ehrenamtlich im Bereich Schule/Kindergarten, ebenso viele in Kultur und Musik. Im sozialen Bereich sind 8,5 Prozent der Menschen freiwillig engagiert, im kirchlichen oder religiösen Bereich 7,6 Prozent. 

Junge Leute tun was 
Am stärksten vertreten sind übrigens junge Menschen im Alter von 14 bis 19 Jahren – mehr als die Hälfte dieser Altersgruppe ist ehrenamtlich aktiv, gefolgt von der
Altersgruppe der 35-49jährigen (knapp 50 %). Danach sinkt die Quote – obwohl sich immerhin noch ein Viertel der Menschen über 75 Jahren freiwillig engagiert. 
Ehrenamt unterscheidet sich auch geographisch: Am aktivsten sind die Menschen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg (jeweils rund 48 %), am niedrigsten ist die Engagementquote in Hamburg (36%) und Sachsen-Anhalt (37%). 

Immer mehr professionell aufgestellte Organisationen
Neben den größtenteils ehrenamtlich getragenen Organisationen hat sich ein professionell aufgestelltes Segment von Organisationen entwickelt, dessen Bedeutung auch für den Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren rasant zugenommen hat. So werden nach Angaben des IAB-Betriebspanels heute deutlich mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre Tätigkeit bezahlt (sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte) als früher: Ihre Zahl stieg von 2,9 Millionen im Jahr 2007 auf 3,7 Millionen im Jahr 2016. „Die Entwicklung übertraf damit das allgemeine Beschäftigungswachstum und der Dritte Sektor konnte seinen Anteil an der Gesamtbeschäftigung leicht ausbauen“, so der Report. 

61 Prozent arbeiten im Sozial- und Gesundheitswesen
Der größte Teil der Beschäftigten (61 %) arbeitet im Sozial- und Gesundheitswesen. Im Bereich der Freien Wohlfahrtspflege ist die Altenhilfe mit 26,5 Prozent (445.000) aller Beschäftigten das größte Arbeitsfeld, an zweiter Stelle steht die Gesundheitshilfe mit 392.000 Beschäftigten (23,3 Prozent). Drittgrößter Bereich ist die Kinder- und Jugendhilfe mit 363.000 Mitarbeitenden (21,6 Prozent), gefolgt von der Behindertenhilfe mit 317.000 Personen (18,9 Prozent) und den weiteren Hilfen mit 61 000 Beschäftigten (3,6 Prozent). Die Familienhilfe und die Hilfen für Personen in besonderen sozialen Situationen sind mit 1,9 bzw. 2,3 Prozent vertreten. 
Zwischen 2004 und 2012 stiegen die Beschäftigungszahlen bei der Jugendhilfe um 32 Prozent, bei der Behindertenhilfe um rund 30 Prozent und der Altenhilfe um 21 Prozent. 

Dritter Sektor überwiegend weiblich
Etwa die Hälfte der im Dritten Sektor beschäftigten Personen arbeitet in Teilzeit. Der Teilzeitanteil liegt damit rund 20 Prozent höher als in der Gesamtwirtschaft – was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass hier besonders viele Frauen tätig sind (70 %). Auch befristete Arbeitsverhältnisse und freie Mitarbeiterschaft mit Werk- oder Dienstverträgen spielen in einigen Bereichen eine große Rolle. Der Anteil der Befristungen ist mit 15,5 Prozent doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. „Eine Erklärung für die im Vergleich zur Gesamtwirtschaft überproportionale Bedeutung von Teilzeit, Befristung und freier Mitarbeiter dürften begrenzte Ressourcen, der hohe Kostendruck sowie die Abhängigkeit von staatlichen und privaten Zuwendungen sein, die eine langfristige Personalplanung erschweren“, schreiben die Datenreport-Autoren. 
 
Vereine meist knapp bei Kasse
Stichwort „begrenzte Ressourcen“: Die meisten Organisationen im Non-Profit-Sektor haben nicht viel Geld. So hat rund die Hälfte der Vereine maximal 10.000 Euro pro Jahr zur Verfügung, ein Teil von ihnen noch viel weniger. Einnahmen in Millionenhöhe haben nur 4,5 Prozent der Organisationen. Besser sieht es bei gemeinnützigen GmbHs aus: 42 Prozent verfügen über Einnahmen im Millionenbereich. 
Ihre Gelder beziehen die Vereine vor allem aus den Mitgliedsbeiträgen (ca. 40 %). Weitere Einnahmequellen sind erwirtschaftete Mittel, zum Beispiel durch Getränke- und Speisenverkauf bei Veranstaltungen (knapp 20 %) und Spenden (ca. 20 %). Öffentliche Mittel spielen bei Vereinen kaum eine Rolle – anders als bei den gemeinnützigen GmbHs. 

Altersgruppe 70+ spendet am meisten
Zwar ging die Anzahl der SpenderInnen über die Jahre deutlich zurück, es wird aber häufiger gespendet. 2016 lag eine Spende im Schnitt bei 35 Euro – bei durchschnittlich knapp sieben Spenden pro Person und Jahr. Die zahlenmäßig größte Gruppe der SpenderInnen ist übrigens die Altersgruppe der Über-70-Jährigen: 2016 lag der Anteil der SpenderInnen dort bei 57 Prozent. Mit durchschnittlich 290 Euro pro Jahr waren sie auch die spendierfreudigsten. 

Zum Datenreport Zivilgesellschaft 
Der Datenreport Zivilgesellschaft gibt einen Überblick über Stand und Entwicklung von Zivilgesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement auf der Grundlage vielfältiger bereits vorliegender Erhebungsdaten zu diesen Themen. Entstanden ist er durch das Zusammenwirken verschiedener Akteure des Forums Zivilgesellschaftsdaten (FZD), das von Mai 2016 bis Juli 2018 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und von ZiviZ im Stifterverband organisiert wurde. Das Forum will Synergien zwischen den unterschiedlichen Erhebungen und Akteuren schaffen und damit einen Mehrwert für alle stiften. 
Datenreport Zivilgesellschaft 2019, Hrsg. Holger Krimmer, Springer-Verlag Kostenloser Download

Buchempfehlung
Ulrich Schnabel: Zuversicht. Die Kraft der inneren Freiheit und warum sie heute wichtiger ist denn je
Blessing Verlag 2018, 240 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-89667-513-2 

Wie bewahrt man seinen Lebensmut, wenn sich die Welt so radikal wandelt? „Die Angst kommt von alleine, um das Zuversichtlich werden müssen wir uns bemühen“, so Ulrich Schnabel (56). Der Wissenschaftsjournalist, der seit 1993 bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ arbeitet, hat zwei Jahre dem Phänomen Zuversicht nachgespürt. Er will mit seinem Plädoyer für mehr Zuversicht ein Gegengewicht zu
den politischen Angst-Strömungen schaffen. Weil er weiß, wie wichtig in der komplexen gegenwärtigen Gesellschaft ein positiver Blick in die Zukunft ist. In seinem Buch arbeitet Ulrich Schnabel heraus, welchen Antrieb die Zuversicht braucht: „Die Kraft der inneren Freiheit“, heißt es um Untertitel 

Zuversicht hat eine sehr positive Energie
Zuversicht ist für Schnabel nicht gleichzusetzen mit Hoffnung oder plattem Optimismus, obwohl das im normalen Sprachgebrauch häufig durcheinandergeht. Das alles ist es gerade nicht. „Der Optimist geht davon aus, dass am Ende alles gut geht. Der Zuversichtliche betrachtet die Zukunft nüchterner, realistischer. Er sieht sowohl die Chancen als auch die Schwierigkeiten. Zuversicht und Optimismus werdend zwar gern synonym verwendet, Zuversicht hat für mich eine positivere Energie“, sagt Ulrich Schnabel im Gespräch mit unserer Autorin. „Gerade in der heutigen Zeit, wo eine ängstliche, besorgte Stimmung in der Bevölkerung herrscht, ist es wichtig, sich auf die Suche nach den inneren Quellen zu machen, die uns Zuversicht vermitteln.“ 

Die innere Freiheit als Quelle entdecken
Die Zuversicht speist sich für Ulrich Schnabel definitiv nicht aus äußeren Bedingungen, sondern verbündet sich vor allem mit der inneren Haltung: Wie stelle ich mich zu äußeren Lebensbedingungen, selbst wenn diese fatal sind? Eine schwere Krankheit, ein Schicksalsschlag. Man entscheidet immer selbst, sagt der studierte Physiker, lasse ich mich deprimieren, wenn die Lage schlecht ist? Oder bleibe ich gelassen. „Ich habe die innere Freiheit und die Wahl zu sagen, ich setze etwas dagegen und entscheide mich für den konstruktiven Umgang.“ Um in der heutigen Zeit so etwas wie Zuversicht und Gelassenheit entwickeln zu können, ist es wichtig, diese innere Freiheit in sich zu entdecken. Anstatt nur auf die äußeren Veränderungen zu starren – bin ich beliebt, habe ich Erfolg, besitze ich das neueste Handy, kann ich mir das schnellste Auto leisten? – lieber nach den Quellen suchen, „die einem innerlich Kraft geben“. In jungen Jahren spürt man eher überschäumend viel Zuversicht, im Alter sieht man vor allem die Schwierigkeiten. Wichtig ist, sich auf seine inneren Zuversichtsquellen zu besinnen, wie Familie, Natur, Kunst oder soziales Engagement. 

Ein möglichst nüchterner Blick, ohne Illusionen auf die Zukunft 
Als Ulrich Schnabel vor gut zwei Jahren anfing zu recherchieren, wusste er zunächst gar nicht, wie der Zustand genau heißt, nach dem er suchte. Das kam erst beim Schreiben. Ursprünglich war „Zuversicht“ gar nicht so positiv konnotiert wie heute. Zuver-SICHT bedeutete: Mit klarem Blick, mit klarer SICHT auf die Zukunft schauen. „Ein nüchterner Blick, ohne Illusionen über den Ernst der Lage“, erläutert der Publizist. Über die Jahre wandelte sich die Bedeutung erst hin zum Religiösen („Jesus meine Zuversicht“), dann lag der Fokus auf den menschlichen Fortschritt. „Zuversicht“ ist kein schrilles Think-positive-Denken, sondern bedeutet für Ulrich Schnabel, „selbst unter schwierigen Handlungsbedingungen noch Möglichkeiten zu sehen.“ 

Wir erinnern uns stärker an Niederlagen als an Erfolge 
„Ich habe gemerkt, wenn ich in der ZEIT-Redaktion viel Nachrichten las, fühlte ich mich abends niedergedrückt“, so der Wissenschaftsjournalist. „Wir sind darauf getrimmt, automatisch eher auf Probleme und Gefahren zu starren, als auf das Gute und Positive. Wir erinnern uns stärker an Niederlagen als an Erfolge.“ Für den Autor ist das ein Grundzug der menschlichen Psyche, ein Erbe aus unserer Evolution. „Damals haben eher die Bedenkenträger überlebt, die hinter jedem Busch eine Gefahr vermuteten. Dieser Grundzug kippt heute ins Negative.“ Hinzu kommt: „In der globalen Mediengesellschaft werden wir mit sämtlichen Büschen auf der ganzen Welt konfrontiert. Wenn wir vor allen Büschen Angst haben, ist das ein wahnsinniges Negatividentitätspotential. Angst bekommen wir automatisch, für die Zuversicht müssen wir uns entscheiden. “ 
Für das Buch über die Zuversicht gab es mehrere Anlässe. Neben den eigenen Erfahrungen, von den Nachrichten niedergedrückt zu werden, steht auch der professionelle Blick: „Wieso herrscht eine so ängstliche, bedrückte, beinah panische Stimmung in der Bevölkerung, obwohl es uns so gut geht? Telefoniere ich mit unseren Korrespondenten“, erzählt der Autor, „sind die ganz fassungslos und sagen: Hier geht es den Menschen wirklich schlecht, was ist bei Euch eigentlich los? Das hat mich auch umgetrieben und das Thema innere Freiheit.“ 

Bei den Protestbewegungen passiert etwas Grundsätzliches 
Doch Obacht: Ulrich Schnabel hat keinen Ratgeber geschrieben. Vielmehr verknüpft er psychologische Erkenntnisse mit politischer Analyse. In den ersten beiden Kapiteln erklärt der Wissenschaftsjournalist die Proteste der Gelbwesten in Frankreich, den anstehenden Brexit, die Erfolge der AfD und den großen Frust der Wählerinnen und Wähler hierzulande. „Da passiert etwas sehr Grundsätzliches, und ich habe versucht, das mit reinzuweben. Es geht mir nicht nur darum, was kann ich tun, um zuversichtlich zu werden.“ Und der Publizist erzählt erstaunliche Geschichten von Menschen, denen ihre Zuversicht half zu überleben. 
Wer sein Leben sinnvoll lebt, ist „zuversichtsbevorzugt“ 
Bürgerrechtler Nelson Mandela hatte gleich zwei innere Quellen, die seine Zuversicht über drei Jahrzehnte im Gefängnis speisten: den Zusammenhalt mit den Mitgefangenen und den politischen Kampf gegen die Apartheid. Für den Publizisten hängen die Zuversicht und der Sinn des Lebens sehr eng zusammen. Wer sein Leben als sinnvoll erlebt, eine sinnvolle Aufgabe hat, der ist „zuversichtsbevorzugt“, wie Ulrich Schnabel es nennt. 
Stephan Hawking: Ein Extrembeispiel an Zuversicht
Ein „Extrembeispiel“ für den Unterschied zwischen Zuversicht und simplem Optimismus ist für den Naturwissenschaftler Stephan Hawking. Aufgrund seiner Muskelerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) hat er klugerweise das gemacht, was in solchen Situationen immer zu empfehlen ist: „Er hat sich nicht mit dem Problem beschäftigt, sondern mit den Dingen, die ihm noch möglich waren.“ Gemeint ist, „die innere Freiheit entdecken, wenn es im Äußeren keinen Veränderungsspielraum gibt“. Der im vorigen Jahr verstorbene Stephen Hawking hatte null Überlebenschance – und starb nach einem langen erfüllten Leben mit 76 Jahren. 

Das Leben in den Dienst einer guten Sache stellen
Sein Leben etwas Sinnvollem widmen, das gab auch Juliane Koepcke Zuversicht. Sie überlebte 1971 als 17-jährige einen Flugzeugabsturz im peruanischen Regenwald, macht sich alleine auf den Weg und stand am zehnten Tag, fast verhungert, vor der Frage: Wie geht es weiter? Der Teenager beschloss, sein Leben der vom Vater gegründeten Forschungsstation Panguana zu widmen. „Sie stellte ihr Leben in den Dienst einer guten Sache, überlebte und hielt Wort.“ 2011 wurde Panguana dank dem Engagement der Tochter zum Naturschutzgebiet erklärt. 
Gleichzeitig schaffte Juliane Koepcke es, trotz doppeltem Kreuzbandriss im Knie, zehn Tage keine Schmerzen zu haben. Im Buch beschreibt Ulrich Schnabel den positiven Einfluss der Zuversicht auf die seelische und körperliche Gesundheit. Er belegt mit einer Übersicht an medizinischen Studien, wie sie den Umfang und Verlauf von Krankheit beeinflussen kann. „Selbst bei körperlichen Verletzungen hat der Körper einen gewissen Spielraum an Reaktionsmöglichkeiten. Das finde ich stark.“ 

Der Blick auf die Welt ändert sich
Liest man die positiven, konstruktiven Geschichten, was Menschen durchgemacht haben, spürt man: Der Blick auf die Welt ändert sich. Auch der Autor selbst erlebt den positiven Effekt: Liest er die Episoden während eines Stimmungstiefs nochmal, sehen die eigenen Sorgen plötzlich anders aus.“ Das Gegenteil von Zuversicht wäre für Ulrich Schnabel „wahrscheinlich die Depression, die Unfähigkeit eine Zukunft zu konstruieren. Alles ist düster, man sieht keine Handlungsmöglichkeiten, sitzt in einem tiefen Loch, fühlt sich unfähig und ohnmächtig. Genau dann braucht man andere Kraftquellen.“ 
Soziale Beziehungen sind eine riesige Zuversichtsquelle
Für Ulrich Schnabel sind die Resonanz mit anderen und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, wichtiger als materieller Besitz: „Soziale Beziehungen sind die wichtigste Ressource seelischer Widerstandskraft. Eine riesige Zuversichtsquelle. Wenn man etwas hat, was Resonanz beschert oder Sinn vermittelt, hat man schon fast gewonnen.“ Das kann ein erfüllter Beruf sein, eine ehrenamtliche Tätigkeit, Meditation oder der Glaube. Aber auch die Beschäftigung mit Musik oder Literatur. Die Wege zu einem zuversichtlichen Leben sind für Ulrich Schnabel vielfältig. 
Der Autor selbst pflegt mittlerweile seine Zuversichtsquellen: Die Familie mit den beiden Kindern. Das Gefühl, seine Arbeit als Autor und Journalist ist sinnvoll – auch für andere. Er meditiert jeden Morgen, „um den Kopf frei zu kriegen“, spielt abends zur Entspannung amateurhaft (Silent-)Klavier, „was stumm geschaltet ist. Das sichert den Hausfrieden“. 

Fazit
Im Grunde ist Ulrich Schnabels Buch ein Plädoyer für die Kunst der Gelassenheit. Ein Highlight des Buches sind die vielen konkreten, psychologisch gut recherchierten und tragfähigen Ratschläge am Ende des Buches. Eine Art „Erste-Hilfe-Programm für Fälle akuter Hoffnungslosigkeit“, die „zuversichtlichen Zehn gegen chronische
Stimmungstiefs“. Zuversicht heißt für Ulrich Schnabel nichts weiter als trotz widriger Umstände den Mut zu behalten.
Demografie-Debatte Deutschland in Baden-Württemberg - gemeinsame Veranstaltung mit dem Bundesverband Initiative 50Plus (BVI50Plus) - am Freitag, 15. März 2019, im Haus der Volksbank Stuttgart, Börsenplatz 3 
Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stehen die Chancen des Landes BadenWürttemberg zur Bewältigung der Herausforderungen des demografischen Wandels. Dazu gehören die Bereiche Prävention & Gesundheit, Wohnen im Alter, Mobilität im Alter und Digitalisierung in einer alternden Gesellschaft. Die Demografie-Debatte Deutschland will die bereits gemachten Anstrengungen vorstellen und neue Initiativen anregen.
Die Agenda der Veranstaltung sowie das Anmeldeformular finden Sie im Internet unter diesem Link: https://sozialministerium.badenwuerttemberg.de/de/ministerium/demografiebeauftragter/aktuelles-undtermine/
 
Demografietagung „Aktiv älter werden“

- Kooperationsveranstaltung mit dem Württembergischen Landesportbund e. V. (WLSB) - am Donnerstag, 21. März 2019, im SpOrt im Neckarpark in Stuttgart, Fritz-Walter-Weg 19
Der organisierte Sport leistet einen wichtigen Beitrag, die Gesundheit der immer älter werden Gesellschaft möglichst lange zu erhalten. Mit dieser Gemeinschaftsveranstaltung wollen wir auf die Herausforderungen, die sich aus einer älter und auch hochaltrig werdenden Gesellschaft ergeben, aufmerksam machen. Die Tagung bringt kommunale Entscheidungsträger sowie Vereinsvertreter und -verantwortliche zusammen, um dieses gesamtgesellschaftliche Thema zu diskutieren. Die Agenda der Veranstaltung sowie das Anmeldeformular finden Sie im Internet unter diesem Link: https://sozialministerium.badenwuerttemberg.de/de/ministerium/demografiebeauftragter/aktuelles-undtermine/
 
 
Medizinwende 
Klares Bekenntnis zur Integrativen Medizin

Diese Umfrage ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Bürger*innen in Deutschland eine Medizinwende befürworten: Weg von der Feindschaft und Konkurrenz zwischen Schul- und Naturmedizin, hin zu einem konstruktiven Miteinander. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat dafür 2.000 Bundesbürger*innen über 18 Jahre befragt. Die Hälfte der Befragten (51 Prozent) sagte: Ja, die steigende Nachfrage nach Homöopathie leitet eine Wende in der Medizin ein zu einer besseren Zusammenarbeit von Schul- und Naturmedizin. 28 Prozent stimmten dem nicht zu, 21 Prozent trauten sich darüber kein Urteil zu. Trennt man die Antworten nach Geschlechtern, fiel die Antwort bei den Frauen mit 58 Prozent noch eindeutiger aus als bei den Männern mit 43 Prozent. Auch 42 Prozent derjenigen, die nicht selbst Homöopathika anwenden, stimmen dieser Aussage zu.
Steigende Nachfrage Die Forsa-Befragung zeigt darüber h