Kreisseniorenrat Schwäbisch Hall

Seitenbereiche

Logo Kreisseniorenrat Schwäbisch Hall

Volltextsuche

Seiteninhalt

Aktuelle Informationen

Aktueller newsletter

Rundmail 1/2020
 
Liebe Leser und Leserinnen, 
 
Wir versuchen in diesem Rundbrief regelmäßig auf interessante Themen und Entwicklungen der Seniorenarbeit sowie auf gesellschaftspolitisch interessante Themen, hinzuweisen. Wir freuen uns über Rückmeldungen.
 

Sehr geehrte Empfänger unseres newsletters,


seitdem wir wissen, dass sich Menschen weltweit mit dem Corona-Virus infizieren werden, hat sich auch unsere Republik verändert. Welche weitreichenden Konsequenzen das langfristig auch für uns und unser Land bedeutet, können wir heute noch gar nicht beurteilen. Auch auf die Arbeit der Seniorenräte hat das Auswirkungen, und wir haben heute unsere für den 2. April geplante Mitgliederversammlung abgesagt. Mit gemeinsamen Anstrengungen, der nötigen Hygiene und etwas mehr Gottvertrauen – so bin ich überzeugt – werden wir  auch diese Krise meistern.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls auch weiterhin gute Gesundheit.
IhrVorsitzenderKarl-Heinz Pastoors

Coronavirus breitet sich aus Was jetzt Anlass zur Hoffnung gibt
Von Klaus Zintz 13. März 2020 - 18:03 Uhr
Noch breitet sich der Erreger in Deutschland massiv aus. Doch die Erfahrung lehrt, dass Gegenmaßnahmen wirken. Wir erklären, warum es Hoffnung für die Eindämmung des Virus gibt.
Stuttgart - Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Menschen steigt auch in Deutschland rapide an. Und die Experten erwarten, dass dies auch noch einige Zeit anhalten wird.. Allerdings gibt es durchaus Anzeichen, dass sich der Kampf gegen den Erreger lohnt.
Was lehren die Erfahrungen aus China?
Erste Hinweise, dass in China die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus erfolgreich sind, gibt es schon seit einiger Zeit. So sinkt dort die Zahl der täglichen Neuinfektionen mittlerweile kontinuierlich – am 13. März wurden nur noch 22 neue Fälle gemeldet. Positiv ist auch, dass es kaum Neuinfektionen außerhalb der besonders betroffenen Provinz Hubei mit ihrer Millionenstadt Wuhan gibt. Das zeigt, dass die weitere Ausbreitung des Erregers zumindest massiv gebremst wurde und auch im größten Risikogebiet das Virus eingedämmt werden kann.
Und was zeigt das Beispiel Südkorea?
Auch der Blick in das südostasiatische Land stimmt hoffnungsfroh. In der nach China und Italien am stärksten betroffenen Nation nimmt die Zahl der täglichen Neuinfektionen ebenfalls ab. Erstmals seit dem Ausbruch des Coronavirus Mitte Januar werden nun mehr Genesungen als Neuinfektionen gemeldet. Allerdings wurden keine Städte wie in China oder Italien abgeriegelt. Doch Schulen wurden geschlossen, und vielerorts ist Heimarbeit angesagt. Nachverfolgen, testen und behandeln – so lautet die Devise der südkoreanischen Behörden. Zu verdanken ist dies wohl auch den vielen Tests auf das Virus, welche die Südkoreaner durchführen. Sie haben als erstes Land Durchfahr-Teststationen eingeführt, die nun auch in Deutschland eingerichtet werden. Berichten zufolge werden dort täglich knapp 20 000 Menschen getestet. Dazu wurden die Testkapazitäten massiv ausgebaut. Und wenn ein neuer Corona-Schwerpunkt auftaucht, wird umgehend ein mobiles Testzentrum aufgebaut. Die große Zahl der dadurch erfassten Fälle mit vergleichsweise milden oder keinen Symptomen führt einerseits zu hohen gemeldeten Fallzahlen, lässt andererseits aber auch die Todesrate sinken. Hinzu kommt, dass die Südkoreaner die Bewegungsabläufe infizierter Personen mithilfe einer Handy-App verfolgen und die Informationen online für jedermann nachvollziehbar veröffentlichen.
Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Die gute Nachricht ist, dass die weitaus meisten Menschen die Infektion mit dem Virus recht gut überstehen. So verzeichnet das Datenportal Worldometers (www.worldometers.info/coronavirus) weltweit bisher rund 140 000 gemeldete Corona-Infizierte, von denen derzeit noch 63 650 als erkrankt gelten (Stand 13. März). Innerhalb dieser Gruppe weisen 91 Prozent einen milden und nur neun Prozent einen schweren oder kritischen Verlauf auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von einer Todesrate von etwa 3,4 Prozent aus – das wären 34 Tote bei tausend Infizierten. In Südkorea liegt die Quote mit 0,7 Prozent aber weit darunter. Und in Deutschland sind laut Worldometers bisher sieben Todesfälle zu beklagen – bei etwa 3120 Fällen insgesamt. Das sind derzeit noch zwei Todesfälle auf tausend Corona-Infizierte.
Was bringen die Eindämmungsmaßnahmen in Deutschland ?
Viel, weil so vor allem die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus gebremst wird. Das hilft, Leben zu retten: Je weniger Menschen gleichzeitig an einem Tag neu infiziert werden, desto weniger müssen wegen schwerer Symptome im Krankenhaus behandelt werden. Somit steigen die Chancen, Schwererkrankte optimal behandelt zu können – und sie somit auch vor dem Tod zu bewahren.
Und wie wirkt sich dies auf die Verbreitung des Virus aus?
Derzeit gehen die Experten in Deutschland davon aus, dass ein infizierter Mensch etwa drei gesunde Menschen anstecken kann. Andere Fachleute glauben, dass es weniger sind – zwischen zwei und drei. Doch auch hier helfen Eindämmungsmaßnahmen: Wird ein erkrankter Patient isoliert, kann er das Virus nicht weitergeben. Schwieriger wird es für den Erreger auch, wenn er weite Distanzen überwinden muss – etwa wenn die Menschen nicht mehr dicht gedrängt nebeneinandersitzen oder -stehen. Wer zu Hause bleibt, reduziert die Ansteckungsgefahr ebenfalls massiv.
Wann gibt es passende Medikamente?
Gegenwärtig gibt es noch keine Wirkstoffe, die zur Behandlung von Covid-19 zugelassen sind. Experimentell wird mit bereits vorhandenen Mitteln gegen Viruserkrankungen gearbeitet. Dazu zählen etwa Tests mit dem Wirkstoff Remdesivir, das gegen Ebola-Infektionen entwickelt wurde. Dort hat er sich zwar nicht bewährt, aber er zeigte eine gewisse Wirksamkeit gegen das Coronavirus, das die Lungenkrankheit Mers verursacht. Zudem arbeiten Forscher an neuen Wirkstoffen, die gezielt gegen Sars-CoV-2 wirken könnten. Auch hier ist der Zeitgewinn wichtig: Je langsamer sich das Virus ausbreitet, desto größer ist die Chance, es bald medikamentös bekämpfen zu können.
Wie stehen die Chancen für einen Impfstoff?
Hier gilt dasselbe wie für die Entwicklung von Medikamenten: Eine gebremste Ausbreitung verschafft Zeit, einen Impfstoff zu entwickeln. Dabei ist weniger die Entwicklung eines Impfserums selbst das Problem – hier könnten bereits in wenigen Wochen die ersten Seren für Tests zur Verfügung stehen. Die Chinesen melden sogar, dass sie diesen Schritt bereits weitgehend vollzogen hätten. Länger dürfte dagegen die Zulassung eines Impfstoffs dauern, da hier klinische Tests vorgeschrieben sind. Und die lassen sich zumindest in westlichen Ländern nur sehr bedingt beschleunigen. Daher erwarten Experten auch, dass vor Sommer 2021 kaum ein Impfstoff verfügbar sein wird.
Kommt uns der Sommer zur Hilfe?
Das ist ungewiss. Bei Grippewellen zeigt die Erfahrung, dass sie zumeist mit dem Ende der kalten Jahreszeit abebben. Bei Coronaviren gibt es dazu noch keine Erfahrungen. Zu bedenken ist jedoch, dass Sars-CoV-2 auch in Australien vorkommt – und dort ist jetzt Spätsommer. Die australische Gesundheitsbehörde stellt aber fest, dass die Infektionsquellen meist bekannt sind und es derzeit keine Übertragungswelle gibt.
Aus Stuttgarter Zeitung 13.3.2020

 

Ab Sonntag, den 15.3.2020 finden auch keine Gottesdienste mehr statt. Aber jeder kann zu jeder Zeit zuhause feiern, mit vielen anderen Menschen verbunden sein. Hier ein Entwurf :

LITURGIE
„Gottesdienst zeitgleich“
bspw. von Palmarum bis Ostermontag – jeden Tag mit unterschiedlichem Schwerpunkt
 

Glocken läuten zur vereinbarten Zeit

  • Kerze entzünden
  • Einstimmung

 
(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
 
Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.
Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.
Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. amen
 

  • Gebet zur Einkehr und zur Verbundenheit miteinander an verschiedenen Orten

(gleicher Text an jedem Tag – eine*r betet für sich oder alle in der Hausgemeinschaft beten gemeinsam laut)
 
Gott.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Ich bete zu Dir.
Und weiß: ich bin verbunden.
Mit Dir.
Mit anderen, die zu Dir beten.
Genau jetzt.
Genau so.
Ich bin hier.
Und Du bist hier.
Das genügt.
Und ich bringe Dir alles, was ist.
Stille
Höre auf unser Gebet.
amen
 

  • Bibeltext des Tages

 

  • Lied des Tages (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen)

 

  • Verkündigungsimpuls (Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

 

  • ggf. Vertiefung, passend zum Tag: Impuls zum Weitertragen in die Welt

(z.B.: zu Ostern Steine bemalen und „aussetzen“ (#ostersteine), siehe u.a. hier: https://www.kirche-hamburg.de/nachrichten/details/ostersteine-zeichen-der-hoffnung.html oder Botschaften gegen die Furcht schreiben / malen (#mutinfarbe) und in der Welt aufhängen, siehe u.a. hier: https://sebastiants.de/mut-fuer-die-fastenzeit)
 

  • Fürbitten

 
Gott.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.
Heute.
 
Stille
 
Wir denken an alle, die wir lieben.
Was tun sie gerade.
 
Stille.
 
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
 
Stille.
 
Wir denken an alle Kranken.Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.
 
Stille.
 
Wir denken an alle, die helfen.
Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.
 
Stille.
 
Gott.
Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:
 

  • Vater Unser

 

  • Segen

 
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen
 
Oder
Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Spüren, dass Du da bist. Spüren, dass andere da sind. Genau jetzt. Genau so. Verbunden. Miteinander. Mit Gott. Im Glauben. Einatmen. Ausatmen. Und leise sprechen „Gott spricht: Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein.“  (oder ein anderes Segenswort oder ein anderes Wort, das gerade Kraft gibt). Mehrmals wiederholen und dabei vielleicht lauter werden. Stille. Einatmen. Ausatmen. Fenster schließen.
 

  • Kerze löschen

 

Impulse / Ideen / Anregungen für die Bibeltexte der Tage / Lieder der Tage / Verkündigungsimpulse / Vertiefungen folgen

 
Duales System kostet die Gesetzliche Krankenversicherung bis zu 145 Euro je Mitglied pro Jahr
Im dualen System der deutschen Krankenversicherung können sich Privatversicherte dem solidarischen Risikoausgleich entziehen. Dies geht zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Denn Privatversicherte verdienen nicht nur deutlich besser, sie sind im Durchschnitt auch gesünder als gesetzlich Versicherte. Würden alle Versicherten in die GKV einbezogen, könnten die Beiträge spürbar sinken. Zudem würde dies den sozialen Zusammenhalt stärken.
Wenn alle Bundesbürger gesetzlich versichert wären, würde die Gesetzliche Krankenversicherung jährlich ein finanzielles Plus in Höhe von rund neun Milliarden Euro erzielen. Der Beitragssatz könnte entsprechend je nach Szenario um 0,6 bis 0,2 Prozentpunkte sinken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berliner IGES Instituts in unserem Auftrag. Dabei wurde simuliert, wie sich Einnahmen und Ausgaben der GKV entwickeln würden, wenn alle bisher privat Versicherten in die Gesetzliche Krankenversicherung einbezogen wären. Jedes momentan in der GKV versicherte Mitglied und sein Arbeitgeber könnten demnach zusammen pro Jahr durchschnittlich 145 Euro an Beiträgen sparen, wenn auch Gutverdiener, Beamte und einkommensstarke Selbstständige am Solidarausgleich der GKV teilnähmen. Würden die durch den Wegfall der PKV anfallenden Honorarverluste der Ärzte ausgeglichen, wären es 48 Euro jährlich.
Solidarausgleich setzt Mischung von Risiken und Leistungsfähigkeit voraus
Diese Verbesserungen für die GKV-Mitglieder kämen aufgrund des in doppelter Hinsicht günstigeren Risikoprofils der Privatversicherten zustande: Zum einen verdienen diese im Durchschnitt 56 Prozent mehr als gesetzlich Versicherte und tragen somit zu einem deutlich höheren Beitragsaufkommen bei. Zum anderen sind Privatversicherte auch gesünder: Unter ihnen ist der Anteil mit mindestens einem Krankenhausaufenthalt pro Jahr mit 17 Prozent deutlich geringer als bei GKV-Versicherten (23 Prozent). Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen oder Pflegebedürftigkeit finden sich unter gesetzlich Versicherten wesentlich häufiger als bei Privatversicherten. Auch die subjektive Wahrnehmung der eigenen körperlichen und psychischen Gesundheit fällt bei Privatversicherten eindeutig positiver aus.
Der Solidarausgleich in der Sozialversicherung setzt demgegenüber eine möglichst breite Mischung von Risiken und Leistungsfähigkeit voraus. "Nur wenn sich alle Versicherten unabhängig vom Einkommen zusammentun, um die Risiken zwischen Gesunden und Kranken auszugleichen, kann eine tragfähige Solidargemeinschaft entstehen. Die Aufspaltung der Krankenversicherung in einen gesetzlichen und einen privaten Zweig wird diesem Solidaranspruch nicht gerecht und schwächt den sozialen Zusammenhalt", betont Brigitte Mohn, Vorstand unserer Stiftung. Die Mehrheit der Bürger befürwortet daher aktuellen Umfragen zufolge eine integrierte Krankenversicherung ohne Aufspaltung nach Einkommens- oder Berufsgruppen.
"Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können. Das ist der Preis dafür, dass sich Deutschland als einziges Land in Europa ein duales Krankenversicherungssystem leistet", sagt unser Gesundheitsexperte Stefan Etgeton. Das Missverhältnis verschärfe sich Etgeton zufolge noch dadurch, dass zuletzt wieder mehr Versicherte von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung gewechselt seien, als umgekehrt.
Regionale Ungleichverteilung von Privatversicherten
Im letzten Teil der Studie untersuchen die Autoren am Beispiel Bayerns den Zusammenhang zwischen der regionalen Verteilung von Privatversicherten und der Niederlassung von Ärzten. Die Ergebnisse zeigen, dass in Gegenden mit einer hohen Anzahl Privatversicherter überdurchschnittlich viele Ärzte ansässig sind. "Einen ursächlichen Zusammenhang konnten wir in der Studie zwar nicht nachweisen. Ich gehe aber davon aus, dass die im Schnitt 2,5-fach höhere Vergütung ärztlicher Leistungen für Privatpatienten die Anreize für Ärzte
verstärkt, sich in den bereits gut versorgten Gegenden mit vielen Privatversicherten niederzulassen", sagt Etgeton. "Dieses Umsatzplus kommt daher nur einem Teil der Ärzte zugute."

Aus Bertelsmann newsletter 2/20

Ist der Einsatz von algorithmischen Systemen in Deutschland erlaubt?
Auf Hochtouren arbeitet die Politik derzeit an der Regulierung von algorithmischen Systemen. Doch was ist eigentlich aktuell in Deutschland erlaubt und was muss für automatisierte Software-Entscheidungen (ADM) wirklich neu geregelt werden? Eine Autorengruppe um Prof. Dr. Mario Martini findet darauf Antworten für fünf prominente Anwendungsfälle. 
Was haben der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans und der Satiriker Jan Böhmermann gemeinsam? Sie haben es trotz früheren Studienabbruchs in ihrem Beruf weit gebracht. Die beiden Studienabbrecher sind keine Seltenheit. Etwa ein Drittel aller Studierenden beendet ihr Studium vorzeitig. Die häufig knapp ausgestattete hochschuleigene Studienberatung vermag dieses Problem bislang nicht zu lösen. Können Algorithmen hier Abhilfe schaffen? An US-amerikanischen Hochschulen kommen bereits vielerorts automatisierte Studienberatungsprogramme zum Einsatz. Die Software eAdvisor hilft beispielswiese bei der Wahl des Hauptfachs oder passender Studienangebote und kann im Extremfall die Teilnahme an Kursen vorerst verwehren. Kritiker*innen fürchten deshalb, dass durch den Software-Einsatz individuelle Wahlfreiheit und Selbstbestimmung verloren gehen. Wäre es möglich, dass solche automatisierten Anwendungen auch in Deutschland zum Einsatz kommen?
Europäisches und deutsches Recht setzen klare Grenzen
Die Autorengruppe um Prof. Dr. Mario Martini zeigt in unserer Studie „Automatisch erlaubt? Fünf Anwendungsfälle algorithmischer Systeme auf dem juristischen Prüfstand“, dass der bestehende deutsche Rechtsrahmen und übergreifende europäische Regelungen wie die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) dem Einsatz von Algorithmen bereits klare Grenzen setzen. Deutlich wird dies auch am Beispiel der algorithmenbasierten Studienberatung: Neben den Landeshochschulgesetzen regelt vor allem die DS-GVO den Umgang mit den personenbezogenen Daten der Studierenden. So verbietet die aktuelle Rechtslage, dass auf Basis einer algorithmischen Entscheidung Betroffene ohne menschliches Zutun beispielsweise vollautomatisiert zu Kursen zugelassen oder sanktioniert werden. Eine Software wie der in den USA genutzte eAdvisor darf in Deutschland somit in dieser Form nicht eingesetzt werden.
Neben Beispielen aus dem Hochschulsektor analysieren die Autoren Fälle aus dem Polizei- und Gerichtswesen sowie zu sozialen Netzwerken und zeigen auf, dass insbesondere jene Anwendungsfälle, die mit personenbezogenen Daten gespeist vollautomatisierte Entscheidungen treffen, nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen werden können.
Mensch-Maschine Interaktionen näher ausleuchten
Die Studie zeigt jedoch auch, dass für den wichtigen Bereich der maschinellen Entscheidungsunterstützung („teilautomatisierte Prozesse“) kaum Regelungen bestehen. Dieses Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine gilt es, näher auszuleuchten.
Statt über Negativszenarien zu diskutieren, die durch den bestehenden Rechtsrahmen von vorneherein ausgeschlossen sind, sollte sich die Debatte auf die Analyse regulatorischer Lücken konzentrieren. Bei der Schließung dieser Leerstellen gilt es, stets dafür Sorge zu tragen, dass übergreifende Regelungen wie die DSG-VO mit politikfeldspezifischen Maßgaben wie etwa dem jeweiligen Landeshochschulrecht harmonisch ineinandergreifen. Das schließt auch nicht aus, bestehende Gesetze bei Bedarf so anzupassen, dass bislang rechtlich unzugängliche Potenziale algorithmischer Unterstützung, wie etwa bei der in einigen Bundesländern Professoren vorbehaltenden Studienberatung, gehoben werden können.

Aus Bertelsmann newsletter 2/20
Arbeitswelt
Wer von zu Hause arbeitet, ist kein Minderleister!
Selten zeigen sich das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) und das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung so einig. Homeoffice und andere Formen flexibler Arbeitszeit sind das Thema von zwei Studien der beiden Think Tanks, die sonst eher Kontrahenten sind. Die Ausgangsfrage: Wo müssen Unternehmen nachbessern, damit Beruf und Familie vereinbar sind? Und zwar so, dass beide Lebensbereiche für sich profitieren und miteinander harmonieren? Die Argumente sind ähnlich, das Resümee gleich: Die Unternehmen sind am Zug, bessere Voraussetzungen für die flexible Arbeitswelt zu schaffen. 
Digital und mobil tun der Familie gut
Die Arbeitswelt wird zeitlich und örtlich immer flexibler. Und Mitarbeiter wissen zu schätzen, wenn sie mobil arbeiten und ihre Arbeitszeiten problemlos mit familiären Verpflichtungen verknüpfen können. Natürlich gibt es vielfältig gelebte familienfreundliche Regelungen auch in analogen Unternehmen. Eine zentrale Erkenntnis der IW-Studie ist jedoch die „signifikante Korrelation“ zwischen familienfreundlicher Unternehmenskultur, Digitalisierung und mobilem Arbeiten.
Wer wurde befragt?
Die IW-Studie basiert auf einer Umfrage unter rund 2.500 Beschäftigten und 1.300 Unternehmen. Befragt wurden sowohl Beschäftigte aus Unternehmen mit digital anspruchsvollen Geschäftsmodellen (Unternehmen 4.0) und großzügigen Regelungen von Arbeitszeit und Arbeitsort, als auch Mitarbeiter von Firmen, in denen Digitalisierung und Homeoffice eine nachrangige Rolle spielen
Digitalisierung macht den Unterschied 
Familienfreundlichkeit zeigt sich an der selbstverständlichen Vereinbarkeit im Unternehmensalltag, an gleichen Aufstiegschancen für Beschäftigte mit und ohne familiäre Verpflichtung sowie regelmäßigen Informationen über familienfreundliche Angebote durch die Geschäftsleitung. Zwischen stark und schwach digitalisierten Unternehmen ergibt sich laut IW-Studie folgendes Bild:
Mehr als jedes zweite Unternehmen (53 %) mit einem hohen Digitalisierungsgrad verfügt über eine ausgeprägt familienfreundliche Unternehmenskultur. Unter den Unternehmen mit geringem Digitalisierungsgrad ist es nur ein Drittel (32,9 %). Und 50 Prozent der Mitarbeiter, die ha?ufig mobil arbeiten, bescheinigen ihrem Unternehmen eine starke Familienfreundlichkeit, während es bei Bescha?ftigten, die nie mit mobilem Internet arbeiten, nur 30 Prozent sind.
Angst vor Karrierenachteilen durch mobiles Arbeiten
Mobiles Arbeiten hat jedoch auch seine Schattenseiten. Da ist zum einen die Sorge vor ausufernder Erreichbarkeit: „Wa?hrend mobil arbeitende Bescha?ftigte einerseits Arbeitszeiten besser an private Belange anpassen ko?nnen, sehen sie sich auf der anderen Seite ha?ufiger mit der Anforderung konfrontiert, auch außerhalb ihrer Arbeitszeit fu?r berufliche Belange zur Verfu?gung stehen zu mu?ssen.“ Hinzu kommt die Angst, wegen reduzierter Präsenz im Betrieb bei wichtigen Projekten übergangen zu werden. Vor allem, wenn es um Beförderung und Führungsverantwortung geht, kann das zum Problem werden.
Erfahrungen mit der Vereinbarkeit lassen sich steuern
Auch für die WSI-Studie ist erwiesen, dass Homeoffice große Vorteile hat: für die Beschäftigten das Gefühl der Kontrolle über die Arbeit und eine höhere Motivation, für die Arbeitgeber höhere Produktivität und Fachkräftebindung. Die angestrebte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei allerdings kein Selbstläufer, betont die Autorin: Mit Homeoffice gehe die Gefahr erhöhter Stressbelastung einher – insbesondere durch ständige Erreichbarkeit, Unfähigkeit des Abschaltens und eine Stigmatisierung als Minderleistung im Rahmen der vorherrschenden Präsenzkultur. Arbeitgeber und Vorgesetzte müssten gezielt für gute Voraussetzungen von Vereinbarkeit sorgen, d. h. dafür, dass die Regelungen für Homeoffice und andere Formen flexibler Arbeit auch tatsächlich eine als vorteilhaft erlebte Vereinbarkeit zulassen. Auf welche Maßnahmen kommt es also an?
  • Wenn Teilzeitkräfte Aufstiegschancen haben, fördert das gute Erfahrungen mit Homeoffice im Unternehmen (49 %). Gleiches gilt für die Förderung des Frauenanteils in Fu?hrungspositionen durch flexible Arbeitszeiten (42 %). Ohne diese Vorzüge sind es laut Studie knapp 31 beziehungsweise 28 Prozent.
  • Wird der Vorgesetzte als fair und kompetent im Umgang mit seinen Mitarbeitern respektiert, liegt die Wahrscheinlichkeit fu?r eine gute Vereinbarkeitserfahrung mit Homeoffice bei knapp 53 Prozent, andernfalls bei lediglich vier Prozent.
  • Auch die Arbeitszeiten spielen eine Rolle. Homeoffice in der gängigen Arbeitszeit ist der Work-Life-Balance deutlich zutra?glicher als in der Freizeit. Ganze Tage zu Hause zu arbeiten, ist fo?rderlicher als stundenweise (53 vs. 29 %).
Was zu tun ist: Klare Absprachen, gute Führung
In der Chefetage liege der Schlüssel für eine familienfreundliche Unternehmenskultur, stimmen beide Studien überein. Die IW-Studie rät Mitarbeitern und Führungskräften zu klaren Absprachen. „Betriebliche Rahmenregelungen geben Orientierung, wer unter welchen Bedingungen mobil arbeiten darf, und schaffen Transparenz und Verbindlichkeit.“ Flexible Arbeitsorganisation könne zudem durch ergebnisorientiertes Führen unterstützt werden.
Home Office ist keine Minderleistung
Die WSI-Studie geht noch weiter: Fu?hrungskra?fte sollten fu?r ein Arbeitsumfeld sorgen, in dem Beschäftige mit flexiblen Arbeitszeiten als gleichwertig respektiert werden. Wer zu Hause arbeitet, werde oft als „Minderleister“ stigmatisiert und mu?sse negative Bewertungen fu?rchten – ha?ufig seien Frauen betroffen, beklagt die Autorin. Auch in diesem Punkt wird deutlich, wie sehr es auf transparente Kriterien zur Leistungsbeurteilung für alle Beschäftigten ankommt. Betriebsvereinbarungen und ein gesetzliches Recht auf Homeoffice ko?nnten die Akzeptanz fördern und damit auch die Vorrausetzungen für eine beidseits nutzbringende Work-Life-Balance.
 
Andrea Hammermann / Jörg Schmidt / Oliver Stettes, Zur Ambivalenz flexiblen Arbeitens: Der Einfluss betrieblicher Familienfreundlichkeit, Institut der Deutschen Wirtschaft, IW-Trends, 46 Jg. Nr. 4, Seite 71-88, Download
Yvonne Lott: Work-Life-Balance im Homeoffice: Was kann der Betrieb tun? Welche betrieblichen Bedingungen sind für eine gute Work-Life Balance im Homeoffice notwendig?
Hans-Böckler-Stiftung, WSI-Report Nr. 24, Januar 2020, 16 Seiten,
Download
Senioren-Union der CDU fordert Deckelung des Eigenanteils von Pflegebedürftigen im Heim
 
   

 

Angesichts der hohen und weiter steigenden Pflegekosten drängt der Bundesvorsitzende der Senioren-Union der CDU, Prof. Dr. Otto Wulff, auf eine Reform der Pflegeversicherung. „Die Unterbringung im Pflegeheim macht immer mehr Senioren zum Sozialfall“, kritisierte Wulff. Viele könnten den Eigenanteil von bundesweit durchschnittlich 1.900 Euro im Monat für Pflege, Unterbringung, Investitionen und Verpflegung im Heim mit ihrer Rente nicht tragen. „Deshalb brauchen wir eine Deckelung des Eigenanteils“, so Wulff.
Projekt "Hauptamt stärkt Ehrenamt" unterstützt Landkreise
 
   
 
Im Januar 2020 startete in 18 Landkreisen das Verbundprojekt "Hauptamt stärkt Ehrenamt". Es wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gemeinsam mit dem Deutschen Landkreistag (DLT) im Rahmen des Aktionsbündnisses "Leben auf dem Land" initiiert. Bis Dezember 2022 soll modellhaft erprobt werden, wie auf Landkreisebene nachhaltige Strukturen zur Stärkung des Ehrenamts aufgebaut und verbessert werden können. Dabei soll untersucht werden, welche Organisationsformen und -strukturen sich bei unterschiedlichen regionalen Rahmenbedingungen bewähren, um Engagierte in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit zu unterstützen.
aus BAGSO – Rundbrief 2/20

Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Baden-Württemberg: stark und stabil – aber nicht für alle
Über 80 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg empfinden den Zusammenhalt im eigenen Umfeld als gut oder sehr gut. Eine repräsentative Umfrage unter 1.398 Personen zeigt, dass der Zusammenhalt im Bundesland zwischen 2017 und 2019 stabil geblieben ist. Für einige Bevölkerungsgruppen sind die Lebensbedingungen aber dennoch schwierig.
Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Baden-Württemberg ist seit 2017 auf hohem Niveau stabil. Dies belegt unsere aktuelle Studie. In sieben von neun Dimensionen, die das "Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt" untersucht, haben sich die Werte nicht verändert. In den zwei Bereichen "Akzeptanz von Diversität" und "Identifikation mit dem Gemeinwesen" sind sogar leichte Anstiege zu verzeichnen. Außerdem haben sich die Unterschiede zwischen den Regionen in Baden-Württemberg verringert.
Offenheit für Vielfalt hat zugenommen
Die gewachsene Offenheit für Diversität zeigt sich beispielsweise an der Einstellung gegenüber unterschiedlichen sexuellen Orientierungen: Gaben 2017 noch 14 Prozent an, dass sie Homosexuelle ungern als Nachbarn hätten, sind dies 2019 nur noch fünf Prozent. Die Einstellungen gegenüber anderen Religionen oder Einwanderern sind hingegen unverändert. Dies ist bemerkenswert, da angesichts der verschärften öffentlichen Debatte zu diesen Themen, häufig der Eindruck entsteht, in den vergangenen Jahren habe die Ablehnung von Vielfalt eher zugenommen.
Menschen besinnen sich auf ihr lokales Umfeld
Auffällig ist, dass trotz des insgesamt positiven Befundes für das eigene Bundesland die allgemeine Stimmung eingetrübt bleibt. 79 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg haben aktuell den Eindruck, dass der Zusammenhalt in Deutschland zumindest teilweise gefährdet sei. Dies sind drei Prozentpunkte mehr als 2017. Mit dieser Stimmungslage geht auch eine Besinnung auf das lokale Umfeld einher.
Sowohl die Identifikation mit der Region, als auch mit dem Wohnort und der Nachbarschaft hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Sagten beispielsweise 2017 noch 76 Prozent der Befragten, dass sie sich mit ihrem Wohnort ziemlich oder sehr verbunden fühlen, so sind es aktuell bereits 81 Prozent. Hierzu passt auch, dass der Anteil derer, die von einem starken Zusammenhalt in der Wohngegend berichten, von 70 auf 81 Prozent gestiegen ist.
Diese Befunde sind kein Widerspruch: In Zeiten der Sorge um den Zusammenhalt der Gesellschaft konzentrieren sich viele Menschen verstärkt auf ihr unmittelbares Umfeld.
Stephan Vopel, Experte für gesellschaftliche Entwicklungen in der Bertelsmann Stiftung.
Teilen


 
Grafik zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Baden-Württemberg.
Bertelsmann Stiftung
Risikogruppen mit geringerer Teilhabe an der Gesellschaft
Aber nicht alle Bevölkerungsgruppen profitieren gleichermaßen vom starken Zusammenhalt. Bei genauerer Betrachtung werden Risikogruppen sichtbar, deren Teilhabe an der Gesellschaft eingeschränkt ist. Insbesondere chronisch Kranke, Menschen mit Migrationshintergrund, ärmere Menschen, Alleinerziehende und auch Frauen weisen vergleichsweise geringe Werte auf. Frauen bewerten in der Studie viele Aspekte kritischer und nehmen ihre eigene Benachteiligung in der Gesellschaft wahr. Unter anderem empfinden Frauen die gesellschaftlichen Bedingungen als deutlich ungerechter als Männer oder fühlen sich weniger sicher, wenn sie allein unterwegs sind.  "Angesichts dieser Befunde überrascht es auch nicht, dass 74 Prozent der von uns befragten Frauen sagen, dass die Maßnahmen gegen Geschlechterbenachteiligung nicht ausreichen", betont der Leiter der Studie, Kai Unzicker.
Ehrenamt ist wichtige Stütze des Zusammenhalts
Das Ehrenamt ist ein zentraler Baustein des Zusammenhalts. 43 Prozent der Befragten geben an, sich ehrenamtlich zu engagieren. Die große Mehrheit hiervon, 79 Prozent, fühlen sich für ihr Engagement ausreichend wertgeschätzt. Rund die Hälfte wünschen sich aber mehr Unterstützung durch Politik und Verwaltung, beispielsweise finanziell, durch Fort- und Weiterbildung oder die Bereitstellung von Räumen oder Sachmitteln. Auch im Bereich des Ehrenamts zeigen sich die unterschiedlichen Teilhabechancen: Während von den reichsten Menschen in der Bevölkerung rund 63 Prozent in einem Verein aktiv sind, so sind dies bei der Gruppe mit dem geringsten Einkommen nur 37 Prozent. Unterschiede gibt es auch zwischen Stadt und Land: auf dem Land geben nur 45 Prozent an, dass sie selten oder nie ehrenamtlich engagiert sind, in den Großstädten liegt dieser Anteil bei 60 Prozent.
Sozialpolitik kann zum Zusammenhalt beitragen
Die Studie belegt auch, dass die Politik Einflussmöglichkeiten auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt hat. Es wurde untersucht, wie sich die Qualität der Maßnahmen in einzelnen sozialpolitischen Handlungsfeldern auf den Zusammenhalt auswirkt. Es ging dabei um die Themen Ehrenamt, Familie, Senioren, Pflege, Frauen, Gesundheit, Armut und Integration. Hierbei zeigte sich, dass in den Regionen, wo die politischen Maßnahmen wahrgenommen und positiv von der Bevölkerung eingeschätzt werden, auch der Zusammenhalt stärker ist. Drei Handlungsfelder weisen dabei den stärksten Einfluss auf: die Unterstützung von Familien, die Armutsprävention und die Integration von Geflüchteten.
Mit anderen Worten: Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt auch weiterhin stabil zu halten oder sogar zu stärken, lohnt es sich, mit gezielten und wirksamen Maßnahmen die Teilhabechancen für die Risikogruppen zu verbessern und die Anstrengungen bei der Unterstützung von Familien, ärmeren Menschen und von Geflüchteten zu verstärken.
Eine kluge Sozialpolitik, die der sozialen Segregation entgegenwirkt, sowie Chancengerechtigkeit und Teilhabe unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen verbessert, stärkt den Zusammenhalt.
So fasst Dr. Kai Unzicker, Studienleiter der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse zusammen.

Aus Bertelsmann newsletter 1/20

Digitale Sprachassistenten als Hilfe für blinde Menschen
Die Digitalisierung bringt blinden und sehbehinderten Menschen große Erleichterungen im Alltag. Es gebe inzwischen mehr als hundert barrierefreie Apps als Alltagshelfer, sagte Thomas Kahlisch, Präsidiumsmitglied im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV).
Barrierefreie Apps sind Anwendungen, die auch für Menschen mit Einschränkungen bedienbar sind. So kann man zum Beispiel mit der Smartphone-Kamera Beipackzettel oder Türschilder fotografieren und vorlesen lassen. Andere Apps ermöglichen, Farben von Kleidung zu erkennen.
„Sprachassistenten sind auch eine große Hilfe, vor allem für blinde Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen“, sagte Kahlisch, der hauptamtlich Leiter des Deutschen Zentrums für barrierefreies Lesen in Leipzig ist. Wichtig sei, dass die Techniker auch bei Updates der Apps die Barrierefreiheit einhielten.
„Die Braille-Schrift bleibt aber unverzichtbar“, betonte der Informatiker. An die 1825 von Louis Braille entwickelte Punktschrift für Blinde erinnert jedes Jahr der Welt-Braille-Tag am 4. Januar.
„Die Digitalisierung verdrängt ja auch nicht die Schrift für sehende Menschen“, betonte Kahlisch. Er arbeitet häufig mit einer Braillezeile, die sich über Bluetooth mit dem Smartphone verbindet.
Mit diesem Gerät, das herkömmliche Schriftzeichen in Brailleschrift darstellt, können etwa E-Books oder Nachrichten gelesen werden. „Das ist in Meetings praktisch, wenn man sich nichts vorlesen lassen kann“, sagte er. Die Braillezeile sei heute nicht mehr größer als eine Tafel Schokolade.

© dpa/aerzteblatt.de

Gesundheitszustand in der EU: Prävention und Grundversorgung wird zum wichtigsten Trend in allen Ländern
Ende November 2019 hat die Europäische Kommission die Berichte veröffentlicht, in denen das Profil der Gesundheitssysteme von 30 Ländern abgebildet ist. Die länderspezifischen Gesundheitsprofile werden zusammen mit einem Begleitbericht herausgegeben, in dem einige der wichtigsten Trends bei der Umgestaltung der Gesundheitssysteme herausgestellt werden. Gesundheitsprofile und Berichte ergänzen den bekannten OECD Report Health at a Glance.
Wichtigste Ergebnisse

In dem Begleitbericht werden einige der wichtigsten Trends bei der Umgestaltung unserer Gesundheitssysteme herausgestellt:

 - Die Impfskepsis ist eine große Bedrohung für die öffentliche Gesundheit in ganz Europa; Abhilfe kann hier die Verbesserung der Gesundheitskompetenz, die Bekämpfung von Desinformation und die aktive Einbeziehung des Gesundheitspersonals schaffen.
 - Der digitale Wandel bei Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention kann zu Gewinnern und Verlierern führen. Für Menschen, die am meisten von der mobilen Gesundheitsversorgung und anderen digitalen Instrumenten profitieren würden, ist der Zugang dazu unter Umständen am schwierigsten.
 - Immer noch ist die Gesundheitsversorgung nicht überall in der EU vollständig zugänglich. Will man den Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie die zahlreichen Barrieren ermitteln, müssen sowohl die klinischen Bedürfnisse als auch die sozioökonomischen Merkmale der Patientinnen und Patienten berücksichtigt werden.
 - Innovationen zur Verwirklichung eines Qualifikationsmixes bei den Beschäftigten im Gesundheitswesen bergen ein hohes Potenzial für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gesundheitssystemen. In der gesamten EU finden sich vielversprechende Beispiele für die Verlagerung von Aufgaben unter den Beschäftigten des Gesundheitswesens, insbesondere für eine gestärkte Rolle von Krankenpflegekräften und Apothekern.
 - Der Lebenszyklus von Arzneimitteln bietet den Mitgliedstaaten breiten Spielraum für eine Zusammenarbeit zur Gewährleistung sicherer, wirksamer und erschwinglicher Therapien, wozu auch Aspekte wie eine rationale Ausgabenpolitik und verantwortungsvolles Verschreibungsverhalten gehören.



Hintergrund

2016 leitete die Europäische Kommission den Zyklus Gesundheitszustand in der EU zur Wissensvermittlung ein, um die EU-Mitgliedstaaten bei der Verbesserung der Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger und der Leistungsfähigkeit ihrer Gesundheitssysteme zu unterstützen. Die Berichte schließen mit einer kontextsensiblen, umfassenden Analyse eine Wissenslücke und bieten Einblick darin, welche Aspekte für die politischen Entscheidungsträger im Gesundheitswesen am schwierigsten sind. Die Berichte wurden von den nationalen Behörden umfassend zu Rate gezogen.
Robert Bosch Stiftung (Hg.):
Praxisleitfaden zum Aufbau demenzsensibler Krankenhäuser

Die Förderaktivitäten der Robert Bosch Stiftung im Programm „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“ und weitere Entwicklungen im Feld haben inzwischen grundlegendes (Praxis-)Wissen für schonende Krankenhausaufenthalte für Patienten mit der Nebendiagnose Demenz hervorgebracht.

Das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso) hat im Auftrag der Robert Bosch Stiftung die Projekte und weitere Quellen analysiert, Gelingensfaktoren und Barrieren für die Umsetzung von Demenzsensibilität im Krankenhaus identifiziert sowie strukturiert Handlungsansätze in einem umfassenden Praxisleitfaden zusammengestellt.
Zum Download / Bestellseite bei der Robert Bosch Stiftung
Dr. Sabine Kirchen-Peters, Dr. Elisabeth Krupp. Praxisleitfaden zum Aufbau demenzsensibler Krankenhäuser

Aus DBFK newsletter 1/20
Neuerscheinung BAGSO-Themenheft "Gemeinsam statt einsam"  
   

 

Das Themenheft „Gemeinsam statt einsam“ stellt über 50 Initiativen und Projekte vor, die sich gegen soziale Isolation und für die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen engagieren. Sie bilden eine kleine Auswahl aus den rund 600 Projekten, die sich 2018 beim BAGSO-Wettbewerb „Einsam? Zweisam? Gemeinsam!“ beworben haben. Ob Besuchsdienste, Mittagstische, Nachbarschaftshilfen, gemeinsame Unternehmungen oder digitale Angebote – die Beispiele machen Mut, sich in diesem Themenfeld zu engagieren und ähnliche Initiativen vor Ort aufzubauen. Eine kostenfreie Bestellung – gerne in großer Stückzahl – ist über die Internetseite der BAGSO möglich.
 

Roboter in der Pflege: Assistent ja – Fachkraft nein
Werden Roboter irgendwann einmal Pflegefachkräfte ersetzen? Nein, völlig autonom arbeitende Roboter in der Pflege hält Prof. Dr. Sami Haddadin, Direktor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence, für unrealistisch. Sie könnten langfristig aber zu wichtigen Werkzeugen und Alltagshelfern für das Pflegepersonal werden, schreibt er im Report „Pflege und digitale Technik“ des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Damit das funktioniert, müssen Pflegefachkräfte fachlich und technologisch jedoch gut geschult werden.
Neue Wissenschaft: die Geriatronik
Der kürzlich erschienene ZQP-Report befasst sich mit bestehenden digitalen Unterstützungssystemen und der Frage, wie die Zukunft der Pflege aussehen könnte – und lässt dazu zahlreiche Expertinnen und Experten zu Wort kommen. Haddadin, Leiter des 2018 eröffneten Forschungszentrums für Geriatronik in Garmisch-Partenkirchen, ist einer davon. Die Geriatronik – sie beschäftigt sich mit der Nutzung von Robotik im Alter und in der Pflege – spielt für ihn eine wichtige Rolle: Sie könne künftig zum Beispiel dabei helfen, dem Personalmangel in der Pflege zu begegnen und Pflegende zu entlasten. Das Forschungszentrum will dafür unter anderem einen Service-Humanoiden entwickeln: „GARMI“ soll lernfähig sein und älteren Menschen das Leben erleichtern, zum Beispiel beim Aufstehen helfen oder Gegenstände anreichen. Zugleich kann er auch für telemedizinische Zwecke genutzt werden. Bei der Entwicklung sollen die Nutzer mit einbezogen werden. So sind Kooperationen mit lokalen Alten- und Pflegeheimen, dem Klinikum und der Berufsfachschule vor Ort geplant: Garmisch-Partenkirchen als „Living Lab“.
„Technikentwicklung muss in die Mitte der Gesellschaft“
Technische Entwicklung mit engem Praxisbezug also – für Prof. Dr. Claudia Müller von der Kalaidos Fachhochschule Schweiz unbedingte Voraussetzung, dass Roboter & Co. von den Nutzern auch wirklich angenommen werden. „Der Fokus liegt immer noch zu stark auf der technologischen Innovation“, stellt sie in ihrem Beitrag fest, auch wenn Entwickler seit einigen Jahren zunehmend nutzerorientiert arbeiten würden. „Die Technikentwicklung muss in die Mitte der Gesellschaft, Städte und Kommunen müssen sich hier stärker engagieren.“ So könnten Fachleute zum Beispiel in Senioren-Treffs über neue Produkte informieren oder diese dort ausprobieren lassen. Auch Pflegeanbieter seien wichtige Akteure in diesem Bereich.
Robotik ist ein wachsendes Feld – über ethische Fragen muss noch diskutiert werden
Einige Beispiele für die Anwendung in der Alltagspraxis nennt Prof. Dr. Barbara Klein vom Forschungszentrum „FUTURE AGING“ an der Frankfurt University of Applied Sciences. Sie unterscheidet dabei zwischen drei Robotertypen: dem emotionalen für aktivierende Ansätze, dem Telepräsenz-Roboter für soziales Miteinander und dem menschenähnlichen. PARO, ein Roboter in Form einer Robbe, wird aktuell in vielen Projekten zur Aktivierung erprobt, etwa bei demenzkranken oder behinderten Menschen. Das Telepräsenzsystem GIRAFF ermöglicht Pflegebedürftigen virtuelle Kontaktaufnahme zu Angehörigen und Freunden und unterstützt Pflegekräfte beim Monitoring. Schon länger bekannt ist der menschenähnliche Roboter „Pepper“, der bereits Auftritte in Altenpflegeheimen hatte. „Die Robotik ist für den Einsatz mit älteren und pflegebedürftigen Menschen ein wachsendes Feld. Es gibt jedoch einen großen Forschungsbedarf – vor allem auch zu ethischen Fragen“, so Barbara Klein.
Neue Forschungsprojekte und Impulse
Der ZQP-Report stellt überdies eine Reihe von neuen Impulsen vor:

  • Ein Beispiel ist das Mobile Assistenzsystem MoCaB für pflegende Angehörige. Die Entwicklung eines Prototypen wurde vom Bundesforschungsministerium gefördert und im August 2019 abgeschlossen. Das MoCaB-System stellt Angehörigen individuelle Hilfe in pflegefachlichen Fragen zur Verfügung und bietet psychosoziale Unterstützung. Überforderung der pflegenden Angehörigen soll dadurch möglichst vermieden, potenzielle Krisen früher erkannt werden.
    http://mocab-projekt.de/projektinfo
  • Für ambulante Dienste interessant ist das Verbundprojekt KOLEGE, das eine möglichst effiziente und effektive Arbeit- und Tourenorganisation ermöglichen soll. Die „digitalen Tourenbegleiter“ sind mit spezieller Software ausgestattete Tablets oder Smartphones, die Pflegekräfte auf den Pflegetouren mit sich führen und zu verschiedenen Zwecken (z.B. zur Tourenplanung und Dokumentation) nutzen können. Das dreijährige Projekt lief bis Ende 2019.
    https://kolegeprojekt.uni-bremen.de
  • Anfang 2018 wurden in Berlin, Freiburg, Hannover und Nürnberg Pflegepraxiszentren (PPZ) eingerichtet, in denen neue Technologien auf ihre Praxistauglichkeit und Wirksamkeit getestet werden – zum Beispiel sensorische Pflegebetten oder digitale Begleiter für Menschen mit Demenz. Das PPZ-Projekt wird ebenfalls vom Bundesforschungsministerium gefördert und läuft bis Januar 2023.
    z. B. https://www.ppz-berlin.de

Weitere Beiträge des Reports widmen sich dem Thema „Digitalisierung in der Pflegeausbildung“ und der Bedeutung des Datenschutzes. Ein umfangreicher Serviceteil rundet das Kompendium ab.
ZQP-Report „Pflege und digitale Technik“, Berlin 2019, 112 Seiten, Download

Aus bfs trendinfo 1/20

Kassen fürchten deutliche Kostensteigerungen
Pflegebedürftige Menschen entscheiden sich immer häufiger für Betreutes Wohnen und Pflege-Wohngemeinschaften als ambulante Alternative zum Pflegeheim. Bundesweit leben etwa 150.000 Pflegebedürftige im betreuten Wohnen und rund 31.000 Pflegebedürftigen in Pflege-WGs. Die Gründe liegen auf der Hand: Mehr Selbstbestimmtheit, mehr soziales Miteinander, mehr Lebensqualität – und gleichzeitig weniger Kosten, da der Eigenanteil für die Bewohner geringer ist als im Pflegeheim. Auch die Betreiber solcher Einrichtungen profitieren. Ihre Einnahmen sind im Vergleich zu einer Unterbringung und Betreuung in einer stationären Pflegeeinrichtung fast doppelt so hoch. Den Schwarzen Peter haben die Pflegekassen: Die Mehrausgaben für alternative Wohnformen beliefen sich im vergangenen Jahr auf fast 400 Millionen Euro gegenüber einer vollstationären Pflege im Heim, konstatiert der Pflegereport 2019 der Barmer – und warnt vor weiteren Kostensteigerungen für die Kassen. Autoren des Reports sind Heinz Rothgang und Rolf Müller von der Universität Bremen.
Ausgaben im ambulanten Bereich deutlich angestiegen
Seit einigen Jahren sprechen Experten von einer Ambulantisierung der Pflege: Lagen die Leistungsausgaben der Pflegeversicherung zwischen 2000 und 2012 für den ambulanten und den stationären Bereich jedes Jahr noch fast gleichauf, sind sie seitdem in der ambulanten Versorgung deutlich angestiegen: 2018 lagen die Ausgaben hier bei 22,6 Milliarden Euro (2000: 8 Mrd. Euro). Zum Vergleich: Im stationären Bereich stiegen die Kosten auf 14,3 Mrd. Euro in 2018 (2000: 7,4 Mrd. Euro).
Immer weniger Menschen leben im Pflegeheim
Aktuell existieren schätzungsweise bis zu 8.000 betreute Wohnanlagen und 4.000 Pflege-Wohngemeinschaften in Deutschland – von denen rund ein Drittel erst in den letzten zehn Jahren entstanden ist. Zugleich ist der Anteil der Menschen, die im Pflegeheim leben, zurückgegangen: von rund 30 Prozent (2005) auf 23 Prozent im Jahr 2017. Das spiegelt sich auch in den aktuellen Entwicklungen. So waren im vergangenen Jahr rund 340 Einrichtungen des betreuten Wohnens (mit 10.000 Pflegeplätzen) in der Planung oder bereits im Bau. Im Heim-Bereich waren es mit 270 Bauprojekten deutlich weniger.
Lohnenswertes Geschäft für Anbieter
Dabei wird betreutes Wohnen immer häufiger von Pflegeeinrichtungen angeboten: mittlerweile rund drei Viertel der betreuten Wohnanlagen. Für Anbieter lohnt es sich offensichtlich, vollstationäre Angebote durch Pflege-WGs oder betreutes Wohnen zu ersetzen, zumal es dort weniger ordnungsrechtliche Auflagen wie Kontrollen, Baubestimmungen, Personalanforderungen und Fachkraftquote gibt. In alternativen Wohnformen können nicht nur mehrere Leistungsarten des SGB XI miteinander kombiniert, sondern auch Leistungen der häuslichen Krankenpflege nach § 37 SGB V abgerechnet werden, was im Pflegeheim nur sehr eingeschränkt möglich ist.
Folge: „Die gleichzeitige Inanspruchnahme von Pflegesachleistungen, Tagespflege und häuslicher Krankenpflege führt dabei zu Leistungsansprüchen gegen die Kranken- und Pflegeversicherung, die rund doppelt so hoch sind wie die bei vollstationärer Versorgung. Werden zusätzlich noch der Entlastungsbetrag und ein Wohngruppenzuschlag gewährt, übersteigen die kumulierten Leistungen den Betrag für vollstationäre Pflege um 150 Prozent“, beschreibt der Report.
Höhere Kosten, aber keine bessere Versorgung
Aus Sicht der Kranken- und Pflegekassen ist diese Kostensteigerung keine positive Entwicklung – und auch nicht nachvollziehbar, da die Pflegequalität im betreuten Wohnen und in WGs nicht besser sei als im Pflegeheim. So sähen rund 80 Prozent der Bewohner alternativer Wohnformen einmal im Monat ihren Hausarzt, bei Pflegeheimbewohnern seien es 87 Prozent. 3,6 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner betreuten Wohnens kämen wegen Erkrankungen ins Krankenhaus, die sich ambulant sehr gut behandeln ließen, in Pflegeheimen träten nur 2,4 Prozent solcher Fälle je Monat auf. Und ein Dekubitus sei im betreuten Wohnen zu 66 Prozent wahrscheinlicher als im Pflegeheim.
Bisher kein Pflege-Tüv bei alternativen Wohnformen
Das Problem: Alternative Wohnformen unterliegen keinem Qualitätssicherungsverfahren wie die Heime. „Daher müssen zeitnah Qualitätsmaßstäbe für neue Wohn- und Pflegeformen entwickelt werden“, fordert Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer. Außerdem sollten die Bundesländer generell die Pflegeaufsicht übernehmen und für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen. Dazu benötigten die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen mehr Transparenz bei den Angeboten, der Qualität und den jeweiligen Anbietern. Straubs Fazit: „Vor dem Hintergrund des Wirtschaftlichkeitsgebots der Pflegeversicherung sind solche beachtlichen Mehrkosten nur gerechtfertigt, wenn die Lebensqualität der Pflegebedürftigen auch deutlich gesteigert wird. Gibt es diese positiven Effekte nicht, sollte ein Ausbau dieser Versorgungsmodelle gebremst werden.“
Pflegereport 2019, Ambulantisierung der Pflege, Heinz Rothgang, Rolf Müller

Hrsg.: Barmer, Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 20, 210

„Gutes richtig machen und Richtiges gut machen“
Leben wir wirklich in einer Ego-Gesellschaft? Wer den Deutschen Engagementpreis kennt, wird diesem Allgemeinplatz widersprechen. Als Dachpreis für Preisträgerinnen und Preisträger von rund 700 Wettbewerben gilt er als „Oscar“ bürgerschaftlichen Engagements hierzulande. Aktuell wurden Menschen ausgezeichnet, die unsere Gewässer vor Mikroplastik schützen, den Hass im Netz bekämpfen, benachteiligte Kinder unterstützen und Missstände in der Massentierhaltung aufdecken. Mehr als 31 Millionen Bundesbürger leisten Freiwilligenarbeit für die Gemeinschaft – das sind viele Menschen und doch weniger als die Hälfte der Bevölkerung. Die Trendinfo-Redaktion sprach mit Ulla Kux, Leiterin des Deutschen Engagementpreises, über Stärken und Probleme der Freiwilligenarbeit und darüber, was deren Attraktivität erhöht.
Trendinfo-Redaktion: Frau Kux, was genau ist der Deutsche Engagementpreis?
Ulla Kux: Der Deutsche Engagementpreis ist Dachpreis des freiwilligen Engagements. Alle, die im Vorjahr einen Engagementpreis gewonnen haben, können für die Teilnahme am Wettbewerb des Deutschen Engagementpreis nominiert werden. Jährlich werden unsere Preisträger bei einer großartigen Preisverleihung in Berlin öffentlich ausgezeichnet. Gewürdigt werden Gruppen, Vereine, Einzelpersonen oder auch Unternehmen, die sich in beispielhafter Weise freiwillig für das Gemeinwesen einsetzen.
„Bürgerschaftliches Engagement braucht gute Strukturen im Hintergrund“
Was ist der Zweck des Preises?
Unser Ziel ist es, zur Anerkennung und Sichtbarkeit von bürgerschaftlichem Engagement beizutragen und Menschen für das Mitmachen zu begeistern. Sozial gesehen machen Engagierte Solidarität erfahrbar, sie stärken gesellschaftlichen Zusammenhalt. Politisch sind die Engagierten die Akteure der Demokratie und stehen für Verantwortung, Selbstbestimmung und Teilhabe. Der Deutsche Engagementpreis stellt die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements in seiner ganzen Vielfalt heraus und zeigt, was Menschen bewegt.
Was bewegt denn die Menschen? In welchen Themenbereichen tummeln sie sie sich besonders engagiert?
Sehr viele Menschen engagieren sich für Kinder und Jugendliche sowie bei Sport und Bewegung, ebenso für Kultur. Wir beobachten aber mehr Öffentlichkeit für Nachhaltigkeit und Umwelt.
Was motiviert Menschen zum freiwilligen Engagement?
Weil ihnen die Tätigkeit „Spaß macht“ ist eine der häufigsten Antworten, die der Freiwilligen-Survey erhoben hat, gefolgt von: Die Engagierten suchen Begegnung, neue Erfahrungen und wollen gestalten. Oftmals wollen Engagierte etwas Gutes richtig machen und etwas Richtiges gut machen. Ob im Hintergrund eine gute Struktur das Engagement wirksam werden lässt, ist dafür mitentscheidend. 
Herausforderung an Vereine: Eine attraktive Ansprache für alle finden!
Und doch ist die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hierzulande nicht engagiert. Was hält sie davon ab?
Zunächst sollte man anerkennen, dass die erwähnten 30 Millionen Menschen sich engagieren. Das ist ein Schatz, und vermutlich werden wir von vielen anderen Gesellschaften darum beneidet. Die jüngeren und mittleren Altersgruppen sind besonders zahlreich engagiert. Viele finden in das Engagement durch Familiengründung, z.B. im Umfeld von Schule, Kindergarten, Musik oder Sport ihrer Kinder. Überdurchschnittlich engagiert sind Menschen mit sogenannten höheren Bildungsabschlüssen. Vielleicht gelingt es den Vereinen und Netzwerken noch nicht immer, eine attraktive Sprache für alle zu finden, unabhängig von Alter, sozialer Schicht und Gruppenzugehörigkeit.
Die Bereitschaft, sich zu engagieren, nimmt laut Deutschem Freiwilligen-Survey zu, die aktive und langfristige Vereinsmitgliedschaft geht jedoch zurück und beschert den etablierten Einrichtungen erhebliche Nachwuchsprobleme. Wie sollte sich eine zeitgemäße Engagements- und Ehrenamtskultur neu aufstellen?
Tatsächlich hat das traditionelle Ehrenamt Sorgen, wo z.B. früher die Kinder in festen sozialen Milieus den Eltern in die Freiwillige Feuerwehr gefolgt sind. Die Gesellschaft hat sich verändert, ist mobiler geworden. Viele junge Menschen engagieren sich befristet und aktionsbezogen. Die Forschung beschreibt das schon langjährig als „neues Engagement“. Man kann nicht alles „richtig aufstellen“, denn Engagement wird nicht gesteuert. Aber es gibt förderliche Bedingungen. Zum Beispiel braucht Engagement Räume. Das Bündnis für Gemeinnützigkeit engagiert sich für Entbürokratisierung von öffentlicher Unterstützung, das ist ein großes Thema für viele. Nicht zuletzt finden auch Unternehmen Möglichkeiten, ihre Mitarbeitenden beim freiwilligen Engagement zu unterstützen.
 
Viele Möglichkeiten werden nicht genutzt
Engagement heißt für viele Menschen mehr als Ehrenamt: Sie wollen politisch mitwirken und mitgestalten, etwa in der Stadtentwicklung, bei Fragen der Energieversorgung und Verkehrspolitik in ihrer Kommune. Inwieweit erleben wir hier gerade eine Veränderung der politischen Repräsentation in unserem Land?
Die Situation ist nicht eindeutig. Unübersehbar mobilisieren große Infrastrukturprojekte die Meinungsbildung, man denke an Stuttgart 21. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Bürgerinnen und Bürger viele Mitwirkungsmöglichkeiten nicht nutzen. Aber in zahlreichen Kommunen verbreiten sich aktivierende, moderierte Beteiligungsmodelle, die auch zu neuen Ergebnissen führen. In jedem Fall reicht es nicht aus, dass bei Entscheidungen die Bürgerinnen und Bürger wählen und dann repräsentiert werden. Fridays for Future steht beispielhaft für eine Bewegung, die, ohne starken Appa