Kreisseniorenrat Schwäbisch Hall

Seitenbereiche

Logo Kreisseniorenrat Schwäbisch Hall

Volltextsuche

Seiteninhalt

Aktuelle Informationen

Aktueller newsletter

Rundmail 7/2018
 
Liebe Leser und Leserinnen,
 
Wir versuchen in diesem Rundbrief regelmäßig auf interessante Themen und Entwicklungen der Seniorenarbeit sowie auf gesellschaftspolitisch interessante Themen, hinzuweisen. Wir freuen uns über Rückmeldungen.
 
  
Wenn Du immer wieder das tust,
was Du immer schon getan hast,
dann wirst Du immer wieder das bekommen,
was Du immer schon bekommen hast.
Wenn Du etwas Anderes haben willst,
musst Du etwas Anderes tun!
Und wenn das, was Du tust, Dich nicht weiterbringt,                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          dann tu etwas völlig Anderes,
statt mehr vom gleichen Falschen!


Paul Watzlawick, österr. Philosoph, 1921 – 2007
                                                                 

                                                                                                                                                                                        Schwäbisch Hall, im Dezember 2018
Liebe Freunde, Begleiter, Mitstreiter und Kollegen,
immer wieder neu beginnen fällt uns manchmal schwer. Aber auch im zurückliegenden Jahr konnte ich viele, neue Erfahrungen machen. So freue ich mich auf die vorliegenden Tage im Advent, die mir auch wieder Zeit schenken über Vergangenes und Zukünftiges nachzudenken.
Ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken: für die viele Mitarbeit, für zahlreiche Begegnungen, für Gespräche und Kritik.
An Weihnachten dürfen wir immer wieder neu erkennen, dass wir beschenkte Menschen sind. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien viele neue Erfahrungen (s. oben) im Neuen Jahr und ein gesegnetes Weihnachtsfest.
 
Ihr


  Karl-Heinz Pastoors

Vorsitzender KSR Schwäbisch Hall

Familie
Kinder, geht nach draußen spielen!
Eine Bude im Gebüsch bauen, mit den Füßen im Matsch wühlen, Regenwürmer sammeln. Mit den Spielkameraden Verstecken spielen und Kreidebilder auf den Asphalt malen – solche Kinderwelten scheinen in ferne Vergangenheit entrückt. Heute wächst der Nachwuchs eher bewegungsarm auf, in geschützten Räumen und in einem von Erwachsenen durchgeplanten Alltag. Doch Kinder haben ein Recht auf spielerische Freiräume, idealerweise im Freien, meint Dr. Christiane Richard-Elsner aktuell in einem Fachaufsatz für die Konrad-Adenauer-Stiftung.
Das freie Spiel – Opfer eines Kulturwandels
Ärzte beklagen eine Zunahme übergewichtiger Kinder, Grundschullehrer berichten von Konzentrationsmangel und Aggressivität in der Klasse. Doch kaum jemand komme auf die Idee, das freie Spiel als Teil der Lösung in Betracht zu ziehen, kritisiert Richard Elsner, Leiterin der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Draußenkinder“ im ABA Fachverband: „Da hat eine Art Kulturwandel stattgefunden. Das Kinderspiel ist in der heutigen Mentalität nicht mehr verankert.“1) Die Sozialwissenschaften ordneten das Draußenspiel sogar einer längst überholten Tradition zu. „Stattdessen liegt der Fokus auf einer noch stärkeren Betreuung durch Fachkräfte und damit einer noch stärkeren Pädagogisierung.“
Verunsicherte Eltern, behütete Kinder
Diese Entwicklung hat mehrere Gründe. Der dichte Straßenverkehr beschränkt den kindlichen Bewegungsradius, intensive Raumnutzung in den Städten überlässt ihnen kaum noch wilde Flächen. Wohnen, Gewerbe, Freizeit und Mobilität sind planerisch zugewiesen, Grünflächen rar und nicht selten für Kinder verboten. Das zeitvergessene Spiel (Flow) ist dem „Spielen unter Termindruck“ gewichen, die stresserzeugende Abfolge von Events und Förderangeboten erfordert hohe Mobilität. Prägend ist das Kontrollbedürfnis verunsicherter Eltern: Frühe Erziehung zur Selbstständigkeit der Kinder kontrastiere mit dem mangelnden Vertrauen in deren Eigenständigkeit im Alltag, meint die Autorin.
Kinderspiel als evolutionsbiologischer Vorteil
Schon in der frühesten Geschichte bildete sich menschliches Spielhandeln in direkter Beschäftigung mit der natürlichen Umgebung heraus, formte das Grundmuster von Sinneserfahrungen, körperlicher Bewegung und sozialer Interaktion. „Beim Draußenspiel agieren Kinder unbeeinflusst von Erwachsenen in idealerweise anregungsreichen, naturhaften Freiräumen.“ Darin sieht Richard-Elsner einen evolutionsbiologischen Vorteil – Kinder machen sich gemäß ihrer persönlichen Entwicklung mit ihrer dinglichen und kulturellen Umwelt vertraut.
Bedeutung des Draußenspiels
Körperliche Entwicklung: Bewegung fördert die Motorik, stärkt den Knochenbau und das Immunsystem, beugt Übergewicht, Haltungsschäden und Herz-Kreislauferkrankungen vor. Doch 70 Prozent der Kinder erfüllen nicht die von der WHO empfohlene Mindestanforderung von täglich einer Stunde mäßiger bis intensiver Bewegung. Die ausufernde Nutzung elektronischer Medien gilt wegen des damit verbundenen Tageslichtmangels als Ursache für den weltweiten Anstieg von Kurzsichtigkeit bei Kindern.
Sozialverhalten und Sprachkompetenz: Das Spiel übt soziale Situationen ein, ermuntert dazu, sich durchzusetzen, Kompromisse zu schließen, Regeln zu erproben. Dieser Prozess wird sprachlich ausgehandelt und verarbeitet.
Selbstwirksamkeit: Freies Spiel in einer abwechslungsreichen Umgebung, jenseits elterlicher Allgegenwart, stärkt die Erfahrung der Selbstwirksamkeit. Schlecht, wenn Kinder in den mittleren Kindheitsjahren (sechs bis zwölf Jahre) ihr großes Bewegungsbedürfnis nicht ausleben können: Die Autorin zitiert Forschungen, die eine Verbindung zur Zunahme psychischer Verhaltensauffälligkeiten ziehen.
Subjektive Raumerfahrung: Durch ungeregelte Bewegung konstruieren Kinder ihre „innere Landkarte“ – sie belegen ihre Raumwahrnehmung mit individuellen Gefühlen und begründen so eine lebenslange Orientierungsfähigkeit.
Risikokompetenz: Kinder suchen auf spielerische Art physische Risiken und wägen bewusst ab zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Streben nach Autonomie und Risikobewältigung. Der Alltag ist eine Abfolge von Risikoabschätzungen, das Spiel das ideale Training.
Politischer Auftrag: Kindern Freiräume schaffen! 
Der Kinderalltag hängt im Wesentlichen von den Freiräumen in einem lebendigen Wohnumfeld ab, lautet eine zentrale These der Publikation. Dazu gehören Streifräume und Spielräume. Streifräume ermöglichen selbstständige Fortbewegung zur Schule, zu Freunden zum Sportverein; Spielräume geben Gelegenheit zur kreativen Gestaltung.

  • Vor allem Kommunen sind gefordert, mit einer Spielleitplanung großzügige Aktionsräume für Kinder zu schaffen. Dazu müssen Bürger einbezogen, planungsrelevante Begehungen mit Kindern vorgenommen werden. Nicht einfach angesichts der zunehmenden städtischen Verdichtung. Doch auch die Erwachsenen profitieren von entsprechenden Maßnahmen (naturnahe Räume, sichere Plätze und Straßen, mehr Nahmobilität zu Fuß, mit dem Rad und öffentlichen Verkehrsmitteln, Vernetzung von Grünräumen).
  • Die Ausweitung der Ganztagsbetreuung darf nicht länger mit Baumaßnahmen einhergehen, die zur bedenkenlosen Verkleinerung der Außenflächen führen. Dagegen müssen Angebote zum Entdecken und Toben, zum Rückzug und unbeobachteten Tun hohe Priorität erhalten. Auch Waldtage, Abenteuerspielplätze und Kinderbauernhöfe verdienen mehr Aufmerksamkeit.
  • Die Ermöglichung des Draußenspiels muss zur Querschnittsaufgabe in Politik und Verwaltung werden, um nicht in unterschiedliche Ressorts für Raum- und Verkehrsplanung, Schulen und Kindergärten zu zerfasern.

„Mindestens so wichtig wie die Förderung von Digitalkompetenz ist die stärkere Berücksichtigung des Draußenspiels“, fordert Richard-Elsner. Dieses Ziel sollte künftig in die gesetzlichen Grundlagen für den Betrieb von Kindergärten und Ganztagsschulen einfließen.

Aus BFS trendinfo 11/18

Digitalisierung
Lokales Miteinander: Nachbarschaftsplattformen, Facebook & Co
Mal eben herausfinden, warum die Hauptstraße im Ort gesperrt ist, ob der Friseur noch geöffnet hat oder wer günstig das Badezimmer fliesen kann – digitale Nachbarschaftsplattformen und lokal agierende Facebook-Gruppen machen’s möglich. Das Angebot ist riesig: Es reicht von ehrenamtlich geführten Stadtteilblogs über lokale Diskussionsgruppen in Facebook & Co bis hin zu professionellen Plattformen mit bundesweiter Reichweite. Wer nutzt diese Medien und inwieweit tragen sie zu Gemeinschaftsbildung und sozialem Zusammenhalt bei? Das hat die Studie „Wandel von Nachbarschaft in Zeiten digitaler Vernetzung“ des Forschungsinstituts adelphi im Auftrag des Bundesverbandes für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. (vhw) untersucht.
Methodisches Vorgehen
Die Untersuchung stützt sich auf eine umfangreiche Literatur- und Medienanalyse, eine bundesweite Bestandsaufnahme digitaler Nachbarschaftsplattformen und eine Online-Befragung von Plattformbetreibern und -nutzern. Vier Fallstudien (Berlin-Wedding, München-Neuperlach, Paderborn-Elsen, Meißen) liefern regional und sozialräumlich vertiefende Erkenntnisse, sollen hier aber nicht eigens aufgegriffen werden.
Immer mehr chatten online mit den Nachbarn
Bundesweit fanden die Studienautoren acht überregionale und 13 lokale Nachbarschaftsplattformen. Allein die Plattform „nebenan.de“ hat über 4.600 aktive Nachbarschaften mit mehr als 600.000 Nutzern, „Nachbarschaft.net“ hat mittlerweile über 200.000 User. Die Zahlen ändern sich jedoch ständig – neue Plattformen kommen dazu, andere stellen ihren Betrieb mangels Finanzmitteln ein. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer an Menschen, die über Facebook, WhatsApp und andere Medien mit ihren Nachbarn kommunizieren.
Vor allem in Großstädten gefragt
Die Nutzer der Nachbarschaftsplattformen sind zwischen 25 und 70 Jahre alt. Mit Mitte 40 liegt der Altersdurchschnitt dabei deutlich über anderen sozialen Medien. Bislang ist die Nutzung eher ein großstädtisches Phänomen: Besonders in Quartieren, die als anonym empfunden werden, kompensieren die Plattformen den Mangel an öffentlichen Begegnungsorten. Viele Nutzer sind Alleinstehende und/oder Zugezogene. Menschen mit eingeschränkter Mobilität – junge Eltern oder Ältere – sowie Ehrenamtler nutzen sie ebenfalls häufig. Doch auch in ländlich geprägten Regionen und Kleinstädten werden zunehmend digitale Medien verwendet.
In den Großstädten sind vor allem Mittelschichtangehörige mit hohem Bildungsniveau auf den Nachbarschaftsplattformen unterwegs. Menschen mit Migrationshintergrund nutzen diese deutlich weniger.
Beziehungen über alle Milieus hinweg
Rund 75 Prozent der Umfrageteilnehmer verwenden die Plattformen für Kleinanzeigen oder zum Tauschen und Teilen von Dingen. 70 Prozent nutzen sie außerdem für die Vermittlung von Hilfeleistungen und um Nachbarn kennenzulernen. „Nachbarschaftsplattformen machen die Angebote lokaler Akteure leichter zugänglich und senken die Hemmschwelle, mit Nachbarn in Kontakt zu treten. Indem sie das Entstehen loser sozialer Kontakte befördern, können diese Plattformen zur Ausweitung des sozialen Netzwerks und milieuübergreifender Beziehungen beitragen: Hier treffen auch Menschen aufeinander, die sich im analogen Raum kaum begegnet wären“, so die Studienautoren.
WhatsApp-Gruppen für den engen Kontakt
Liegen festere, klar umgrenzte Gruppen vor oder entstehen engere persönliche Bindungen, verlagert sich die Kommunikation zwischen Nachbarn dann oft auf Messengerdienste wie WhatsApp (Nachbarschafts-Gruppe, Gassi-Geher, Freundeskreis, Wandergruppe, etc.) – und damit mehr ins Private.
Soziale Medien als Stimmungsbarometer
Soziale Medien schaffen jedoch nicht nur Raum für einen konstruktiven Austausch – sie dienen zugleich als Stimmungsanzeiger für lokale Themen und Bedürfnisse: So können Online-Diskussionen für lokale Akteure wie Quartiersmanagements und Kommunalverwaltungen wichtige Anhaltspunkte für die eigene Arbeit liefern und zugleich die Kommunikation mit Bürgern erleichtern.
Facebook: Gefahr der Polarisierung
Während auf den Nachbarschaftsplattformen meist freundlich kommuniziert wird – was vermutlich damit zusammenhängt, dass die Teilnehmer dort in der Regel mit Klarnamen auftreten – geht es in lokalen Facebook-Gruppen oft heiß her. „Hier besteht die Gefahr, dass bereits vorherrschende politische Polarisierungen und gegenseitige Abgrenzung noch weiter verstärkt werden. Ohne Gegenstimmen oder moderierende Eingriffe können hochfrequentierte lokale Gruppen in sozialen Medien zum Beispiel rechtspopulistischen Meinungen eine Plattform bieten und diese weiter normalisieren“, warnen die Autoren. Demokratiefördernde Arbeit lokaler Akteure sollte daher verstärkt auch im digitalen Raum ansetzen.
Ausblick: Kommunen verstärkt gefragt!

  • Mehr digitales Engagement: Kommunalverwaltungen und Einrichtungen vor Ort ergeben sich aus der Studie mehrere Handlungsempfehlungen: So sollten sie sich nach Meinung der Autoren mehr digital engagieren, indem sie stark frequentierte Plattformen und digitale Kanäle verfolgen und aktiv nutzen – mit Fragestunden zu aktuellen Themen per Chat, Beteiligung an Diskussionen in Kommentarspalten oder schnellen, unkomplizierten Antworten auf private Nachrichten.
  • Öfter an Diskussionen beteiligen: Auch sollten sich Kommunen und Organisationen des Gemeinwesens stärker in politische Diskussionen einbringen – beispielsweise durch klare offizielle Stellungnahmen und Zurückweisungen von Hassreden auf digitalen Medien.
  •  Mehr User-Einbindung: Betreibern digitaler Plattformen raten die Autoren, verstärkt den Austausch mit lokalen Einrichtungen (z. B. Quartiersmanagement) und zivilgesellschaftlichen Akteure zu suchen und vermehrt User beim Sammeln von „Lokal-Geschichten“ einzubinden.

Ein wichtiger Aspekt zur Zukunft der Nachbarschaftsplattformen ist die Finanzierung: Welche Risiken birgt beispielsweise der unternehmerische Ansatz von Plattformen wie „nebenan.de“, falls sie an Konkurrenten verkauft werden – mitsamt der Nutzerdaten? Die Empfehlung der Studienautoren: Bund, Länder und Kommunen sollten hier prüfen, ob öffentlich finanzierte Plattformen eine sinnvolle Alternative sein könnten.
 
Franziska Schreiber / Hannah Göppert, Wandel von Nachbarschaft in Zeiten digitaler Vernetzung. Explorationsstudie zur Wirkung digitaler Medien mit lokalem Bezug auf sozialen Zusammenhalt und lokale Teilhabe in Quartieren. Hg.: adelphi im Auftrag des Bundesverbandes für Stadtentwicklung und Wohnen e.V. 
Berlin 2018, 63 Seiten

Aus BFS trendinfo 11/18

Gestiegene Lebenserwartung
Demenz ist Haupttodesursache bei Down-Syndrom
Patienten mit Down-Syndrom leben immer länger – und sterben heute vor allem an Alzheimer. Bei etwa 70 Prozent aller Todesfälle wird von einer Demenz als Ursache ausgegangen.
LONDON. Patienten mit Down-Syndrom haben bei der Lebenserwartung in den vergangenen Dekaden erstaunliche Fortschritte gemacht.
Starben vor 50 Jahren noch fast alle von ihnen in den ersten zehn Lebensjahren – vor allem an angeborenen Herzfehlern –, haben sie heute eine Lebenserwartung von rund 65 Jahren und liegen damit nur noch etwa 20 Jahre unter der Lebenserwartung der übrigen Bevölkerung, berichten Ärzte um Dr. Rosalyn Hithersay vom King’s College in London (JAMA Neurol 2018; online 19. November).
Die Lebenserwartung wird heute vor allem durch Demenzerkrankungen limitiert. So steht bei Patienten mit Trisomie 21 rund 20-fach häufiger Demenz als Todesursache auf dem L-Schein als in der Allgemeinbevölkerung.
Mit einem durchschnittlichen Alter von 55 Jahren tritt eine Demenz in der Regel auch deutlich früher auf, und im Alter von 65 Jahren sind fast 90 Prozent demenzkrank, berichten die Forscher um Hithersay mit Verweis auf bisherige Untersuchungen.
Erhöhte Beta-Amyloid-Produktion
Als Grund für das hohe Demenzrisiko wird primär eine erhöhte Beta-Amyloid-Produktion angenommen: Das Gen für das Amyloid-Vorläufer-Protein (APP) befindet sich auf Chromosom 21.
Im Übrigen scheinen für Trisomie-21-Patienten ähnliche Risiko- und Schutzfaktoren zu gelten: Ein ApoE4-Allel erhöht das Alzheimerrisiko, ApoE2 senkt es, und epileptische Anfälle sind prognostisch recht ungünstig. Wie sehr solche Faktoren das Demenz- und das Sterberisiko steuern, haben die Wissenschaftler um Hithersay anhand einer Beobachtungsstudie mit 211 Patienten mit Down-Syndrom im Alter von über 35 Jahren genauer untersucht.
Die Teilnehmer waren zum Studienbeginn im Schnitt 50 Jahre alt, zu 41 Prozent Frauen und zu knapp einem Drittel an Demenz erkrankt.
Demenzpatienten wiesen ein etwas höheres Alter auf, waren etwas häufiger adipös und hatten vermehrt eine spät beginnende Epilepsie entwickelt. Zudem trugen sie häufiger ein ApoE4-Allel. Das mediane Alter bei der Demenzdiagnose lag bei 52 Jahren.
Im Schnitt wurden die Patienten 28 Monate nachbeobachtet, einige bis zu 65 Monate. In dieser Zeit starben 27 Betroffene (13 Prozent). Das mediane Alter beim Tod wurde mit 57 Jahren beziffert. 19 der Verstorbenen (70 Prozent) hatten eine Demenz.
Insgesamt starben im Beobachtungszeitraum 29 Prozent der Demenzkranken, aber nur knapp 6 Prozent derer ohne Demenz. Die Sterberate unter Demenzkranken war also fünfmal höher, und dies war auch dann der Fall, wenn die Forscher ihre Rechnung anhand von Personenjahren erstellten.
Demenz als Todesursache
Unter den Demenzkranken starben vor allem solche mit ApoE4-Allel: Die Forscher berechneten hier ein siebenfach erhöhtes Sterberisiko. Rund fünffach, aber nicht signifikant erhöht war die Mortalität unter Demenzkranken mit früh beginnender Epilepsie, dagegen ging eine spät auftretende Epilepsie bei Patienten mit Down-Syndrom und ohne Demenz mit einer zehnfach höheren Sterberate einher.
Ein weiteres Ergebnis: Patienten ohne Demenz zu Beginn, aber mit ApoE4-Allel, erkrankten im Beobachtungszeitraum rund fünffach häufiger an einer Demenz als solche ohne ApoE4.
Aus den Resultaten schließen die Forscher, dass eine Demenz bei mindestens 70 Prozent der Todesfälle unter ihren Patienten mit Trisomie-21 die unmittelbare Todesursache gewesen sei – andere Ursachen konnten weitgehend ausgeschlossen werden.
Da drei von acht Verstorbenen ohne Demenz ebenfalls Zeichen eines verstärkten kognitiven Abbaus zeigten, könnte die demenzbedingte Mortalität sogar noch höher gewesen sein. Keine Unterschiede bei der Sterberate gab es zwischen Männern und Frauen.
Etwas unklar bleibt die Bedeutung von epileptischen Anfällen. Spät auftretende Epilepsien sind oft Zeichen einer voranschreitenden Neurodegeneration und deuten auf eine ungünstige Prognose. In der britischen Studie lebten aber vor allem Patienten ohne Demenz nicht mehr lange, wenn sie solche Epilepsien entwickelten.
Möglicherweise sei bei diesen Patienten eine Demenz nicht erkannt worden, so die Forscher. Letztlich sind Resultate auf Basis von 27 Verstorbenen jedoch nicht besonders aussagekräftig. Hier müssen wohl erst Ergebnisse größerer und länger dauernder Studien abgewartet werden.

Aus Dt. Ärzteblatt

Patienten und Ärzte kommen erstmalig gemeinsam zu Wort
Berlin, 4. Dezember 2018. Wie steht es um die Beziehung zwischen Patienten und ihren Ärzten? Was wünschen sich Patienten für eine Versorgung? Was die Ärzte? Diese Fragen wollten wir erstmalig im Dialog beantworten. Dazu wurden Patienten und Ärzte in einem „gespiegelten“ Fragemodus befragt, um eine gesellschaftliche Debatte zur medizinischen Versorgung von morgen anzustoßen. Die Befragung erfolgte durch GESUNDHEIT AKTIV gemeinsam mit dem Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands und der studentischen Initiative Heal your Hospital (Universität Witten/Herdecke). Nun liegen die Ergebnisse vor.
Sich gegenseitig wahrnehmen
„Wir müssen reden …“ So könnte man, leicht verkürzt, eine der wichtigsten Botschaften zusammenfassen. „Die eigentlichen Bedürfnisse vieler Patienten werden in der Arztpraxis und im Krankenhaus offenbar zu wenig hinterfragt“, sagt Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Das ist nicht immer nur eine Frage von Zeit, sondern auch Ausdruck von mangelnder Ausbildung und Strukturen, die Patienten nicht wirklich zu Wort kommen lassen.“
Ein weiteres Ergebnis: Patienten halten sich in Bezug auf ihre eigene Gesundheit für kompetenter als Ärzte glauben. Hier ist es nötig, sich gegenseitig besser wahrzunehmen: „Für den Dialog braucht es neue (Platt-)Formen und Orte, damit nicht nur für die Patienten, sondern mit ihnen gestaltet werden kann“, so Schmidt-Troschke.
Vertrauen, Empathie – und Zeit
Dass die Beziehung zwischen Arzt und Patient etwas ganz Besonderes ist, wurde ebenfalls deutlich: „Das Arzt-Patientenverhältnis ist in seiner Besonderheit wahrscheinlich einzigartig“, meint Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes. „Vielleicht mehr als in fast jeder anderen Beziehung braucht es Vertrauen, Zutrauen, Empathie und – das betone ich aus ärztlicher Sicht – die notwendige Zeit, sich mit dem ‚Menschen gegenüber‘ als Individuum zu beschäftigen und sich mit seiner Situation umfassend auseinanderzusetzen.“
Angesichts der großen Umbrüche im Gesundheitswesen – Stichwort Digitalisierung! – sei es höchste Zeit, alle Parteien stärker einzubinden, fordert die ebenfalls beteiligte Initiative Heal your Hospital: „Es macht auf der einen Seite Hoffnung zu sehen, dass Ärzte und Patienten beispielweise mit dieser Umfrage an einem Strang ziehen können, andererseits wundert es, dass solche Initiativen nicht schon vor Jahren stattgefunden haben.“

Aus Gesundheit aktiv

„Ungenügend“ für Pflege-Noten
Neuer Pflege-TÜV ab Herbst 2019
Berlin, 5. Dezember 2018. Seit Jahren wird über den umstrittenen Pflege-TÜV auf Schulnotenbasis debattiert. Obwohl sich ExpertInnen schon bei dessen Einführung schnell einig waren, dass das System nicht sinnvoll ist, änderte sich lange Jahre nichts. Auch Pflegende kritisieren das Verfahren als extrem bürokratisch: „Wir pflegen Akten statt Menschen!“
Das soll sich jetzt endlich ändern. Gesundheitsminister Jens Spahn hat im November 2018 angekündigt, dass ab Herbst 2019 ein neues Bewertungssystem kommen soll. Im Sommer dieses Jahres hatten Wissenschaftler von der Universität Bielefeld ein Gutachten mit Vorschlägen zu einer neuen Bewertung der Pflegeheime vorgestellt. „Es geht künftig etwa darum, wie gut es gelingt, Mobilitätsverlust, Sturzverletzungen, die Entstehung von Druckgeschwüren oder den Einsatz freiheitseinschränkender Maßnahmen zu vermeiden“, so der Bielefelder Pflegewissenschaftler Klaus Wingenfeld. Das neue Bewertungssystem soll den Verbrauchern aber auch konkrete Informationen über die Lebensqualität in den Einrichtungen geben sowie über den Pflegeschlüssel informieren.
Was Patienten wissen müssen
In Deutschland sind Millionen Menschen pflegebedürftig, mit steigender Tendenz. Die Wartelisten für Pflegeheime sind lang, auch die Frage, welche Einrichtung die richtige ist, ist nicht leicht zu beantworten. Patienten, die ein Pflegeheim suchen, fühlen sich oft allein gelassen. GESUNDHEIT AKTIV fordert hier ein generelles Umdenken: „Man hat oft den Eindruck, dass echte Transparenz nicht gewollt ist“, sagt Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Gekniffen sind dann die Verbraucher oder Patienten, weil ihnen wichtige Informationen nicht zugänglich sind. Bis sich das endlich ändert, können wir nur allen Menschen raten, Referenzen von anderen Betroffenen bzw. deren Familien einzuholen. Denn entscheidend ist ja, welche Qualität am Ende bei den Menschen ankommt.“

Aus Gesundheit aktiv

Pflege
Pflegeszene im Umbruch: Lust gehört ins Altenheim!
So viel Sinnlichkeit war noch nie auf dem jüngsten Deutschen Seniorentag. Sexualität gehöre auch ins Altenheim, so fordert es die „Charta der Sinnlichkeit“, die dort erstmals vorgestellt und heiß diskutiert wurde.* Diese Checkliste für ein lustfreundliches Altenheim wendet sich gegen die verbreitete Ansicht, Sexualität alter oder behinderter Menschen sei kein Thema, schon gar nicht in der Pflege. Tatsächlich kommt langsam Bewegung in die Alten- und Pflegeszene. Dafür steht auch ein aktuelles Forschungsprojekt zur Sexualität im Altenheim an der Frankfurt University of Applied Sciences zusammen mit Pro Familia Hessen.
Methodische Überlegungen
Wie äußern sich sexuelle Bedürfnisse im Altenheim, welche Einstellungen haben Pflegekräfte zur Erotik alter Menschen, was muss sich in der Ausbildung ändern? Diese Themen erforscht die Studie, für die bundesweit mehr als 500 Pflegekräfte ­und Heimbewohner, letztere im Alter zwischen 71 und 104 Jahren befragt wurden.
Grundsätzlich positive Einstellung
Dem Wunsch nach Zärtlichkeit und Nähe, nach Erotik und Sexualität stehen die befragten Pflegekräfte mehrheitlich positiv gegenüber, stellt die Studie heraus. Sie sind überzeugt, dass Sexualität ein menschliches Grundbedürfnis ist und für Wohlbefinden bis ins hohe Alter sorgt. Die Befragten nehmen geschlechtsspezifisch unterschiedliche Manifestationen von Sexualität auch im hohen Alter wahr: Männer zeigen ihre Wünsche demnach deutlicher als Frauen, während sexuelle Bedürfnisse hochaltriger Frauen unterschätzt werden. Zahlreiche Befragte lassen aber auch eine gewisse Abwehr erkennen: Bei ihnen löst es „eher unangenehme Gefühle“ aus, Sexualität alter Menschen im ihrem Pflegealltag wahrzunehmen. 
Sexualität im Pflegealltag
Eine große Mehrheit der Befragten (68 %) spricht von einer regelmäßigen Begegnung mit Sexualität in Wort und Tat im Pflegealltag. Die Wahrnehmung reicht von sexualisierten Bemerkungen (47 %) über Selbststimulation (27 %) und dem Konsum erotischer Magazine (14 %) bis zur Kontaktaufnahme mit Sexualbegleitern und Prostituierten (4 %). Dennoch besprechen lediglich 35 Prozent der Befragten sexuelle Vorkommnisse und Aspekte mit den Kollegen. Das wirft kein gutes Licht auf die Fähigkeit, das eigene Verhalten in puncto Sexualität im Pflegealltag zu reflektieren und Handlungsstrategien zu entwerfen, meint Studienautorin Hildegard Keul-Bogner. 
Hilfe zur Sexualität: ja oder nein?
Bei der Einschätzung, ob und inwieweit die betagten und oftmals in ihrer Bewegung und Motorik eingeschränkten Bewohner Unterstützung zur Auslebung ihrer Sexualität brauchen, herrscht bei den Fachkräften große Unsicherheit. Der Anteil der Ja- und Nein-Stimmen hält sich in etwa die Waage (25 vs. 29 %), fast die Hälfte (46 %) kann die Frage nicht sicher beantworten. Wo jedoch schon einmal Hilfe geleistet wurde, kommt einiges zusammen: etwa die Ermöglichung von Privatsphäre, das Eingehen auf sexuelle Vorlieben und die Kontaktanbahnung zu speziell trainierten Sexualbegleitern und zu Prostituierten. Ebenso zählen das Angebot von Gesprächen, medizinischer Hilfe und die Beschaffung erotischer Magazine, Filme oder einschlägiger Spielzeuge dazu. 
Intime Wünsche: Noch mehr Arbeit im Pflegealltag?
In welcher Form auch immer den Pflegekräften das Thema begegnet: Fühlen sie sich überhaupt zuständig? Sollen sie sich zusätzlich zu ihrem ohnehin schon stressigen Arbeitsalltag nun auch noch den intimen Sehnsüchten der Heimbewohner zuwenden? Die Antworten gehen erheblich auseinander. Mehr als die Hälfte der Befragten (58%) sieht das nicht als ihre Aufgabe an. Nicht, dass sie diese Bedürfnisse als unwichtig abtun (s. o.). Sie sehen das Thema aber besser bei Angehörigen, Betreuern und Therapeuten aufgehoben.
Erotik im Altenheim – nicht immer konfliktfrei
38 Prozent der Befragten haben bereits einen Übergriff unter Bewohnern erlebt, etwa mit aufdringlichen Berührungen, unaufgeforderten Küssen oder Eindringen in private Räumlichkeiten. Nur wenige Fachkräfte (6 %) lassen einen eindeutig identifizierten Übergriff auf sich beruhen, die übrigen suchen Unterstützung bei Kollegen und Vorgesetzten und schützen die Betroffenen. Was die Studie auch zutage fördert: Elf Prozent der Befragten haben im Verlauf ihrer Berufstätigkeit einen Übergriff von Fachkräften an Bewohnern erlebt oder davon gehört.
Pflegekräfte wünschen mehr Kompetenz
Die Studie verdeutlicht, dass die Sehnsucht alter und behinderter Menschen nach Nähe und körperlicher Zuwendung oft unerfüllt bleibt. Wenn sie sich als erotische Wesen artikulieren, trifft das bei Pflegekräften oft auf eine diffuse Mischung aus Verständnis, Unsicherheit und bisweilen sogar Hilflosigkeit.
Der Pflegepraxis fehle noch weitgehend das professionelle Selbstverständnis im offenen Umgang mit dem Thema; außerdem mangele es an regelhaften Besprechungen und Entscheidungen im Team zu aktuellen Begebenheiten, stellt die Studie fest.
Viele Pflegekräfte wünschen sich Unterstützung, sind sich der Bedeutung des Themas bewusst und streben sachbezogene Aus- und Weiterbildung an – immerhin 88 Prozent der Befragten haben noch nie eine Weiterbildung zu Aspekten der Sexualität in der Altenpflege absolviert. Hinzu komme der Wunsch nach Reflexion und Supervision, denn die eigene Kompetenz werde hier als begrenzt erlebt.
Trotz dieser insgesamt unbefriedigenden Situation gibt es aber auch einen Lichtblick: Liebe kennt kein Alter und wird in allen ihren Facetten zunehmend enttabuisiert.
 
* Die „Charta der Sinnlichkeit“ wurde vom Netzwerk „Sexualität und Altenpflege“ erarbeitet und soll in Kürze in ihrer Endfassung veröffentlicht werden. Das Netzwerk ist eine Kooperation u. a. von Paritätischem Wohlfahrtsverband und Pro Familia Niedersachsen und will die Berücksichtigung von Intimität und Sexualität als Qualitätsmerkmal in der Altenpflege etablieren.
Hildegard Keul-Bogner, Männer sind anders, Frauen auch? Eine geschlechtersensible Studie zur Sexualität in Einrichtungen der Altenpflege, Pilotprojekt, Frankfurt University of Applied Sciences, 2018, 51 Seiten (Studie liegt nicht zum Download vor).

Aus BFS trendinfo 11/18

Die BARMER hat für ihren 230-seitigen Report unter anderem rund 1.900 Mitglieder, die Angehörige pflegen, repräsentativ für alle pflegenden Angehörigen in Deutschland zu ihrer Situation befragt. Die Ergebnisse sind alarmierend:

  • In Deutschland gibt es rund 2,5 Millionen pflegende Angehörige, etwa 1,65 Millionen von ihnen sind Frauen.
  • Nur ein Drittel der Betroffenen geht arbeiten. Jede/r Vierte hat die Arbeit aufgrund der Pflege reduzieren oder aufgeben müssen.
  • Die Pflege bestimmt bei 85% der Angehörigen tagtäglich das Leben.
  • Die Hälfte von ihnen kümmert sich mehr als zwölf Stunden täglich um die pflegebedürftige Person.
  • Fast 40% fehlt Schlaf, 30% fühlen sich in ihrer Rolle als Pflegende gefangen, jedem Fünften ist die Pflege eigentlich zu anstrengend.
  • Fast 60% wünschen sich weniger Bürokratie bei der Beantragung von Leistungen.
  • Pflegende Angehörige erkranken häufiger als Nicht-Pflegende. Vor allem bei psychischen Problemen, Belastungsstörungen, Schmerzen, Depressionen und Rückenbeschwerden sind die Unterschiede besonders groß.
  • Rund 20% der pflegenden Angehörigen haben Existenz- und Zukunftsängste.
Aus Alzheimer news BW 10/18

Impressum: Karl-Heinz Pastoors, Vorsitzender Kreisseniorenrat Schwäbisch Hall
        Am Postgütle 2/11, 74523 Schwäbisch Hall, Tel. 0791 97824579
                kreisseniorenrat-sha(@)karl-heinz-pastoors.de
 
Dieses Rundmail dient ausschließlich zur Information über Belange der Seniorenarbeit. Der Kreisseniorenrat sammelt mit diesem Rundmail keine personenbezogenen Daten und gibt auch keine personenbezogenen Daten an Dritte weiter, außer bei gesetzlicher Verpflichtung. Die Mails werden ausschließlich auf Servern in Deutschland verarbeitet und SSl-verschlüsselt übermittelt.
Sollten Sie das Rundmail nicht mehr erhalten wollen, dann senden Sie uns ein kurzes Antwortmail: „Bitte meine Adresse aus dem Verteiler löschen“. Sie wird dann umgehend aus dem Dateisystem gelöscht.