Ein Netzwerk gegen Einsamkeit

Martin Keller-Combé, Werner Hepp, Nils Neudenberger (von l.n.r.) Foto: Landratsamt Schwäbisch Hall

Ein landkreisweites Netzwerk möchte der Einsamkeit im Alter entgegenwirken. Im Interview sprechen Werner Hepp (Kreisseniorenrat), Nils Neudenberger (Katholisches Dekanat Schwäbisch Hall) und Martin Keller-Combé (Seniorenbüro, Landratsamt Schwäbisch Hall) über Motive, die zur Gründung führten und die ersten Planungen.

Landkreis. Mutmach-Cafés, offene Mittagstische oder Besuchsdienste. All das sind Angebote, die der Einsamkeit entgegenwirken können. In zahlreichen Gemeinden im Landkreis gibt es bereits solche Angebote und Begegnungsorte. Im September 2023 haben sich verschiedene Organisationen und Institutionen aus dem Landkreis zu dem Netzwerk gegen Einsamkeit und ungewolltes Alleinsein zusammengeschlossen. Werner Hepp vom Kreisseniorenrat und Nils Neudenberger vom Katholischen Dekanat Schwäbisch Hall sind zwei der Gründungsmitglieder. Mit Martin Keller-Combé vom Seniorenbüro des Landkreises, über das das Netzwerk koordiniert wird, erläutern sie den Hintergrund und die Ziele des Netzwerks.

Was ist der Hintergrund der Netzwerk-Gründung?

Hepp: Der Ausgangspunkt war ein Bildungstag des Kreisseniorenrates, bei dem gesellschaftlich relevante Themen besprochen wurden. Da kamen wir auf das Thema Einsamkeit im Alter. Auch mit Referenten von außen wurden das Thema und das Potential im Landkreis erörtert. Einsamkeit, vor allem bei älteren Menschen, ist kein städtisches Thema mehr alleine. Deshalb kam die Idee, an dem Ansatz weiterzuarbeiten.

Keller-Combé: Es gibt zum Thema Einsamkeit viele Veröffentlichungen und Untersuchungen, auch auf Bundesebene. Rund 1/3 der Menschen über 65 wohnen in Deutschland allein in einem Haushalt. Das muss nicht bedeuten, dass diese Menschen einsam sind, aber gerade diese Menschen sind von Einsamkeit bedroht. Die offizielle Netzwerkgründung wurde mit den Gründungsmitgliedern auf den Weg gebracht. Jetzt geht es darum, das Netzwerk zu verbreitern und mit Leben zu füllen. Wir möchten Interessierte einladen, dem Netzwerk beizutreten.

Warum ist das Thema Einsamkeit wichtig?

Hepp: Es gibt eine soziale und gesundheitliche Komponente, die Einsamkeit beeinflusst. Bei unserem Netzwerk liegt der Blick eher auf der sozialen Komponente. Das Stichwort in dem Zusammenhang nennt sich Teilhabe. Den Menschen soll die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtert werden.

Wofür ist das Netzwerk da?

Hepp: Der Fokus des Netzwerks liegt auf älteren Menschen, die von Einsamkeit bedroht oder betroffen sind. Es soll dem Austausch der Vereine und Organisationen dienen, die bereits Unterstützungsangebote anbieten. Die Stärken der einzelnen Organisationen sollen besonders genutzt werden.

Neudenberger: Es ist sinnvoll, dass man sich untereinander wahrnimmt und herausfindet, was es schon gibt. Der erste Schritt ist, das zu stärken, was es schon gibt und dies eventuell auf andere Orte zu adaptieren. Schritt zwei ist, zu prüfen, wo Angebote fehlen und auch neue Projekte anzustoßen.

Keller-Combé: Alleine kann man Projekte nicht in allen Gemeinden des Landkreises umsetzen. Es braucht örtliche Partner, die Ideen haben und etwas vor Ort ausprobieren möchten. Wir streben hier auch keine Vollständigkeit an. Es kann allerdings jeder mitmachen, der Interesse hat. Unser Fokus liegt hier zunächst auf Besuchsdiensten und Begegnungsmöglichkeiten, wie Mut-Mach-Cafés oder ähnlichen Angeboten.

Was sind die Ziele des Netzwerks?

Hepp: Zunächst ist das Ziel, das ganze Thema in die Öffentlichkeit zu bringen und dafür zu sensibilisieren. Einsamkeit im Alter ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem.

Keller-Combé: Grundsätzliches Ziel ist, dass möglichst gute Lebensbedingungen für die Menschen im Landkreis hergestellt werden – und dass man hier auch zukünftig „gut“ alt werden kann.

Was ist Ihre Motivation bzw. die Motivation Ihrer Organisation, aktiv bei der Netzwerkgründung mitzuwirken?

Hepp: Im Grunde ist das Thema die Kernkompetenz des Kreisseniorenrates. Ältere Menschen sind unsere Zielgruppe. Wenn wir gesellschaftliche Entwicklungen sehen, fragen wir uns, wie wir diese aufgreifen können. Es geht darum, Themen zu erkennen, Lösungen zu finden und Menschen Teilhabe zu ermöglichen. Der Kreisseniorenrat hat rund 200 Mitgliedsorganisationen, die in den Gemeinschaften stark verwurzelt sind und die Angebote kreieren, um sich um Menschen in Einsamkeit zu kümmern. Grundsätzlich gilt: Zusammen sind wir stärker.

Neudenberger: Der Anspruch der Kirche ist es, Menschen in Höhen und Tiefen des Lebens zu begleiten. Wir schauen, wie kann Leben gelingen und wo entdecken wir, wo Leben nicht gelingt. Wir wollen die Menschen begleiten. Dafür gibt es bereits fast flächendeckend im Landkreis Besuchsdienstangebote für Menschen ab 75 Jahren. Die Kirche bringt also schon eine Struktur und Potential mit. Die Frage war, wie es gemeinsam gelingen kann, dass Menschen aus der Einsamkeit herausgeführt werden.

Sehen Sie auch Herausforderungen?

Keller-Combé: Es ist eine Sache, Angebote bekannter zu machen. Eine andere ist es, den Zugang zu den Menschen zu bekommen, dass die Angebote auch angenommen werden. Ein Fernziel in dem Zusammenhang wäre, dass Menschen, die beispielsweise „Essen auf Rädern“ ausliefern oder Besuchsdienste übernehmen, gezielt über Angebote gegen Einsamkeit informieren können.

Neudenberger: Die Frage ist weiter, welche Wege wir finden, dass Menschen aus einer Isolation heraus diese Schwelle überwinden können.

Hepp: Dazu muss man verstehen, dass die Menschen verschieden sind. Es gibt diejenigen, die von selbst auf andere zugehen; die, die nur einen „Anstoß“ brauchen, also jemanden, der sie zu einem Angebot mitnimmt oder die, die bereits soziale Ängste besitzen. Auch dahingehend wäre längerfristig eine Qualifizierung von Ehrenamtlichen sinnvoll.

Im Oktober 2023 fand das erste Netzwerktreffen statt. Was wurde dort besprochen?

Neudenberger: Es wurde das grundsätzliche Vorgehen und im Wesentlichen drei Ziele festgelegt: Erstens, die Erfassung, der bereits bestehenden niederschwelligen Angebote im Landkreis. Zweitens, die Initiierung eines Erfahrungsaustausches der verschiedenen Besuchsdienste und drittens, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen.

Keller-Combé: Die Koordinierung des Netzwerkes erfolgt hierbei durch das Seniorenbüro des Landkreises.

Welches Thema steht zuerst auf der Agenda?

Keller-Combé: Es gibt schon einige gute Angebote in den Gemeinden, wie beispielsweise OffenBar in Gerabronn, das „Welcome – ein Haus für alle“ in Blaufelden, die offenen Mittagstische in Sulzdorf oder Untermünkheim. Als erstes sollen diese bestehenden Angebote erfasst und bekannter gemacht werden.

Info:

Gründungsmitglieder des Netzwerkes sind die Stadt Crailsheim, das Katholische Dekanat Schwäbisch Hall, der KreisLandFrauenVerband Schwäbisch Hall, die Evangelische Heimstiftung Hohenlohe-Tauber, der Stadtseniorenrat Schwäbisch Hall, die Katholische Sozialstation Schwäbisch Hall und das Graf-Pückler-Heim Gaildorf. Die Stadt Schwäbisch Hall ist kurz nach der Gründung ebenfalls beigetreten.

Organisationen, die sich in dem Bereich engagieren möchten, können dem Netzwerk jederzeit beitreten. Informationen hierzu gibt es im Seniorenbüro des Landkreises,

Tel. 0791 755-7879, E-Mail: seniorenbuero@LRASHA.de.

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